Kaufbeuren
Zuversicht anstatt Euphorie

Mit nachdenklichen Worten begrüßte Oberbürgermeister Stefan Bosse die Mitglieder des Gablonzer Heimatkreises zum Neujahrsempfang im Rathaus. Schließlich liege ein bewegtes Jahr hinter der Stadt und dem Verein. 2009 war eine offizielle Städtepartnerschaft zwischen Kaufbeuren und Gablonz an der Neiße, dem tschechischen Jablonec nad Nisou, besiegelt worden. «Das ist ein sehr schöner Schritt, den man aber nicht überbewerten soll», erklärte Bosse. Es komme darauf an, wie eine solche Partnerschaft mit Leben erfüllt werde. Die vertiefte Beziehung zur alten Heimatstadt stimme ihn nicht euphorisch, wohl aber zuversichtlich. «Beide Seiten blicken auf eine schmerzhafte Vergangenheit zurück. Damit muss man behutsam umgehen», mahnte der Rathauschef.

Beim Gablonzer Heimatkreis bedankte sich Bosse für die «gute Begleitung auf dem Weg zu dieser Partnerschaft», der für Angehörige von Opfern und Heimatvertriebene sicher nicht leicht zu gehen sei. Die hiesige Ansiedlung der Vertriebenen aus dem Sudetenland sei für die Region jedenfalls bis in die Gegenwart eine Bereicherung.

Was die gegenwärtigen Pläne zur Umgestaltung des Neugablonzer Zentrums betrifft, fand er klare Worte: «Die Jahre der Planung müssen Geschichte sein, jetzt werden die Vorhaben in Angriff genommen.» Mit dem Neuen Markt werde dieses Jahr begonnen, weitere Maßnahmen sollen folgen. «Neugablonz braucht ein gut besuchtes Zentrum. Wir wollen jede Chance nutzen, den Stadtteil attraktiver zu machen», versicherte der Oberbürgermeister.

Dass sich Neugablonz von der Stadt gut unterstützt fühlt, bestätigte der Vorsitzende des Gablonzer Heimatkreises, Dr. Thomas Jahn. Um als heimatpflegerischer Verein das Gedenken auch in Zukunft aufrechterhalten zu können, seien vor allem Mittel der Bundesregierung erforderlich. «Wir müssen die Brücke schlagen von der jetzigen Erlebnisgeneration zu einer, die diese kulturelle Arbeit fortführt», sagte Jahn. Sonst bestehe die Gefahr, dass wichtiges Kulturgut mangels nachfolgender Pflege verloren gehe.

Daher werde der Heimatverein in diesem Jahr eine entsprechende Initiative auf den Weg bringen und baue dabei auf die Solidarität der öffentlichen Hand. «Wenn die Arbeit nicht mehr ehrenamtlich bewältigt werden kann, brauchen wir definitiv mehr Mittel als in der Vergangenheit», erklärte der Vorsitzende.

Es bedürfe einer gemeinsamen Kraftanstrengung des Bundes, des Freistaates Bayern und der Kommune, um das kostbare Andenken nicht verkommen zu lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019