Musik
Zusammenlegung von Harbatshofen (Landkreis Lindau) und Stiefenhofen (Landkreis Sonthofen) vor 40 Jahren war lange umkämpft

Dass Harbatshofen und Stiefenhofen zusammengehören, ist heute selbstverständlich. Vor 45 Jahren wurde heftig darum gerungen, weil keines der beiden Dörfer seinen Landkreis wechseln wollte. Man gehörte zwar zu einer Pfarrei und es gab eine Volksschule, doch Stiefenhofen fand es 'zweckmäßig' beim Landkreis Sonthofen zu bleiben. 'Es bedurfte der sanften Nachhilfe von oben', schreibt der Chronist Herbert Mader, damit es doch noch klappte. Selbst eine Volksabstimmung Mitte März 1969, bei der sich 95 Prozent der Bürger für eine Vereinigung entschied, reichte nicht.

Harbatshofen, das beim Landkreis Lindau bleiben wollte, betrieb die politische Zusammenlegung, allein schon als 'geografische Notwendigkeit', um die 'unnatürliche Grenzziehung' aufzuheben. In der Information über die Volksabstimmung heißt es: 'Bei einer Zusammenlegung wäre das Pfarrdorf Stiefenhofen echter Mittelpunkt mit Kirche, Gemeindesitz, Schule Raiffeisenkasse .'

Nachdem der Gemeinderat von Stiefenhofen im November, einen Monat nach Harbatshofen, den gleichlautenden Beschluss auf Zusammenlegung gefasst hatte, allerdings mit dem Zusatz, dass 'eine Eingliederung in den Landkreis Sonthofen zweckmäßig' sei, kam es zu einer erheblichen Unruhe unter den Vereinen, die schon lange gemeinsame Sache machten.

Die Musikkapelle Siefenhofen-Harbatshofen trat Mitte Dezember in den Streik. 'In Stiefenhofen schweigen die Trompeten', lautete eine Schlagzeile der Heimatzeitung. Ein unerhörtes Vorgehen, 'denn selbst bei Beerdigungen wurde nicht gespielt', wie sich Georg King erinnert. Auch die Landjugend protestierte. Dieser Druck zwang die Kommunalpolitiker, den Zusatz zurückzunehmen; die Entscheidung sollten die Landkreise und die Regierung fällen.

Kirchturm war Grenze

In einer Denkschrift erinnerte der Harbatshofener Bürgermeister Georg Ziegler an die Trennung beider Ortsteile vor mehr als 400 Jahren aufgrund eines Erbstreits im Haus der Grafen Montfort. 'Der Kirchturm von Stiefenhofen war die Grenze', umschreibt Heimatpfleger Georg King das Dilemma.

Bei der Gründung des Königreichs Bayern Anfang des 19. Jahrhunderts kam Stiefenhofen zum Landkreis Sonthofen, Harbatshofen zum Kreis Lindau. Nach dem 2. Weltkrieg verlief sogar zwischen beiden Orten die Zonengrenze (Franzosen/Amerikaner). Die Bürger bedauerten, dass jede wirtschaftliche Entwicklung gehemmt wurde.

'Es fehlt das einigende Band, die Konzentration der Kräfte, die Koordinierung der gemeinsamen Probleme', heißt es in der Denkschrift, um Aufgaben wie gemeinsame Wasserversorgung, Bau einer Turn- und Festhalle, eines Sportplatzes, der Ausbau des Straßennetzes und der Volksschule sowie die Baulanderschließung voranzubringen. Die beiden Orte waren etwa gleich groß (16 Hektar) und hatten etwa gleich viele Einwohner (je 900).

Ein Regierungsgutachten stellte 1968 fest, dass alles für eine Zusammenlegung sprach. Doch der Landkreis Sonthofen wollte nichts hergeben um keinen Präzedenzfall zu schafffen, der Landkreis Lindau konnte nichts hergeben, weil er sonst zu klein geworden wäre, um bei der bevorstehenden Reform von 1972 noch weiter bestehen zu können. 'Stiefenhofen war das Zünglein an der Waage. Wir haben den Landkreis Lindau gerettet; ohne uns gäbe es den Landkeis nicht mehr', verkündet der heutige Bürgermeister Toni Wolf (Harbatshofen) gerne.

Das Verwaltungsgericht Augsburg musste entscheiden: Die Gemeinden Stiefenhofen und Harbatshofen sind zusammenzulegen. Die Ortschaften Buflings, Saneberg und Sinswang werden in den Markt Oberstaufen eingemeindet. Die neue Gemarkung, die den Namen Stiefenhofen übernimmt, wird dem Landkreis Lindau zugeordnet.

Die drei Ortsteile Buflings, Saneberg und Sinswang, hatten Ende 1969 sogar einen sogenannten Ausbürgerungsantrag gestellt, wie Georg King weiß.

Am 1. Januar 1972 war 'das Jahrhundertwerk' Tatsache. 'Eine unnatürliche Grenzziehung war wieder berichtigt', stellt Heimatpfleger King fest. Im März wurde der neue Gemeinderat gewählt und im Juni setzte sich Ventur Lacher als Bürgermeister gegen Georg Ziegler durch, der zwei Jahrzehnte die Geschicke des Dorfes bestimmte, ehe ihm Toni Wolf nachfolgte.

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