Zum Tode von Paul Fendt

Marktoberdorf(rel). - Es war im Jahr 1965, als Paul Fendt verhindern wollte, dass unsere Zeitung seinen 50. Geburtstag erwähnte. Schließlich seien 50 Jahre noch längst kein Anlass, einen Lebenslauf zu veröffentlichen. Paul Fendt damals: 'Memoiren schreibt man erst mit 89.' Dieses Alter hat der Marktoberdorfer nicht mehr erreicht: Der frühere Mitinhaber der Traktorenfabrik Fendt starb vergangene Woche, knapp einen Monat vor seinem 89. Geburtstag, nach langer, schwerer Krankheit. Paul Fendt wurde am 4. Februar 1915 in Marktoberdorf als Sohn von Johann Georg Fendt (1868 - 1933) und dessen Ehefrau Kreszentia geboren. Er war das jüngste von insgesamt sieben Kindern. Der junge Fendt erlernte den Berufs des Bankkaufmanns und war dann noch kurz in der damals neu gegründeten Maschinen- und Schlepperfabrik Xaver Fendt & Co. seiner Brüder Xaver und Hermann tätig, bevor der Zweite Weltkrieg ausbrach und er zum Militärdienst eingezogen wurde. Sechs Jahre lang diente er als Kampfflieger, wobei er bis zum Staffelkapitän aufrückte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Paul Fendt in die Schlepperfabrik seiner Brüder zurück. Gemeinsam mit den beiden baute er die während des Krieges schwer gebremste Traktorenproduktion wieder auf. Paul Fendt wurde die Aufgabe übertragen, zum einen den Bereich Einkauf, zum andern eine Vertriebsorganisation aufzubauen. Zunächst tat er dies mit viel Erfolg im deutschsprachigen Raum, dann in ganz Europa.

Mit seiner kontaktfreudigen und fröhlichen Art gelang es ihm bald, immer mehr Vertriebspartner zu gewinnen. Darüber hinaus war er für die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zuständig. Schon Anfang der 50er-Jahre baute er eine 'mobile Einsatzgruppe' auf mit dem Ziel, Fendt-Traktoren in ganz Deutschland im harten praktischen Einsatz zu präsentieren. Bei seinen Mitarbeitern war Paul Fendt ein geschätzter Chef, der zu begeistern wusste. Besonders wurde seine mitfühlende, humorvolle und auch weltoffene Art geschätzt. Als Unternehmerpersönlichkeit genoss er nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern in ganz Deutschland und auch im Ausland hohes Ansehen bei Vertriebspartnern und Kunden. In seiner Freizeit setzte sich Paul Fendt, der mit Ehefrau Dagmar verheiratet war und eine Tochter und einen Sohn hat, für die Förderung des Tennissports ein. Unter anderem war er, der selbst im Alter noch fast jugendlichen Elan zeigte, Ehrenpräsident des TC Marktoberdorf. Auch der Skiclub zählte ihn zu den treuen Freunden des Vereins. Paul Fendt wurde nach dem Tode seiner Mutter Kreszentia Mitgesellschafter der Marktoberdorfer Schlepperfirma. Allerdings hatte er im Gegensatz zu seinen Brüdern Hermann (gestorben 1995) und Xaver (gestorben 1989) nur einen kleinen Anteil am Unternehmen. 1981 zog er sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück. Die Traktoren ließen ihn freilich nicht los: Bis vor etwa drei Jahren stattete er fast regelmäßig dem Werk Besuche ab und erkundigte sich bei Vertriebsgeschäftsführer Hermann Merschroth nach der Entwicklung des Unternehmens. Nach langer Krankheit starb Paul Fendt nun am Donnerstag. Der Trauergottesdienst für den Verstorbenen findet am Mittwoch, 14. Januar, um 11 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Martin statt. Anschließend wird Paul Fendt auf dem Friedhof am Schlossberg zu Grabe getragen.

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