Scheidegg
«Zum Narren muss man geboren sein»

Eine außergewöhnliche Ehrung hat die Scheideggerin Jasmin Sohler erhalten. Seit 35 Jahren gehört sie der Scheidegger Narrenzunft an, die früher «Isbäria» hieß. Im Alter von 16 Jahren trat die heute 51-Jährige der «Isbäria» bei. Einen Winter ohne Fasnacht kann sie sich nicht vorstellen, so die Scheideggerin im Interview.

Frau Sohler, seit 35 Jahren sind Sie Narr, beziehungsweise Närrin - wie heißt es denn eigentlich richtig in der Sprache der Zünfte?

Jasmin Sohler: Närrin ist richtig.

Ist Ihnen die närrische Rolle das ganze Jahr über bewusst oder schlüpfen Sie nur in der fünften Jahreszeit hinein?

Sohler: In die Rolle schlüpfe ich nur in der fünften Jahreszeit. Aber die Vorbereitungen laufen das ganze Jahr über - für Umzug und Kinderball, zum Beispiel. Beschäftigt sind wir auch mit dem Flicken der Häser oder mit Vorstandssitzungen.

Das hört sich nicht nur nach Gaudi an.

Sohler: Ja, es gehört viel Organisatorisches dazu. Für uns von der Scheidegger Narrenzunft geht die Fasnacht erst so richtig los, wenn unser Umzug vorbei ist.

Kritiker verbinden mit der närrischen Zeit Alkoholexzesse und Seitensprünge. Ist die Fasnacht so schlecht wie ihr Ruf?

Sohler: Nein, aus meiner Erfahrung heraus eigentlich nicht. Ich selbst trinke so gut wie keinen Alkohol, außer mal einen Baileys am Gumpigen Donnerstag.

Geht lustig sein also auch ohne Alkohol?

Sohler: Ja. Und man kann auch bis in der Früh um sieben sitzen. Ich habe da noch kaum Ausfälle erlebt. Schon gar nicht in unserer Zunft, weil da viele Kinder dabei sind.

Könnten Sie sich einen Winter ohne Narrensprung vorstellen?

Sohler: Nein, auf keinen Fall. Ich hab einmal eine Pause gemacht. Da hab ich mir den Umzug angeschaut, und das Herz hat mir geblutet. Da hab ich mir gedacht, das kann es nicht sein - und bin wieder eingestiegen.

Wieviele Tage im Winter reservieren Sie denn allein für die Fasnacht?

Sohler: Schwer zu sagen. Zur Zeit ist jedes Wochenende ausgebucht. Je nachdem, wie lange die Fasnacht ist, sind es mehr oder weniger Umzüge, heuer kommen etwa 23 Einsätze zusammen. Vom Gumpigen Donnerstag bis Aschermittwoch nehme ich Urlaub. Da sind wir jeden Tag unterwegs.

Wie geht das zusammen mit Familie?

Sohler: Das geht ganz wunderbar. Meine Tochter springt auch mit, sie ist schon seit 20 Jahren dabei. Mein Mann springt nicht mit, der mag das nicht. Aber er unterstützt uns, wo es geht. Und wenn wir viel unterwegs sind, genießt er die Ruhe daheim.

Welches Erlebnis als Närrin werden Sie nie vergessen?

Sohler: Wie mich beim Bändel-Abhängen in Scheidegg mal ein Auto mitgezogen hat. Das Auto hatte Skier auf dem Dach und war bei den Bändeln eingehängt. Mir ist gottseidank nichts passiert. Aber man spricht immer wieder davon und lacht darüber.

Wenn Sie zurückblicken: Hat sich über die Jahrzehnte viel verändert in der schwäbisch-allemannischen Fasnacht?

Sohler: Es wird immer strenger. Sowohl die Vorgaben für das Häs als auch die Sicherheitsvorschriften bei den Veranstaltungen. Aber ansonsten muss ich feststellen, dass Jung und Alt in einer Fasnachtsgruppe immer gut harmonieren.

Zum Abschluss die Frage: Was macht einen besonders guten Narren oder eine besonders gute Närrin aus?

Sohler: Ich finde, man muss dazu geboren sein. Dann ist man mit Leib und Seele dabei.

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