Bremerhaven
Zum Haareraufen

Bei der Analyse der 1:4-Niederlage des ESV Kaufbeuren bei den Fischtown Pinguins waren sich die beiden Trainer weitgehend einig: Die Bremerhavener haben diese Zweitligapartie verdient gewonnen, weil sie das höhere Tempo gehen konnten. Der Sieg stand aber auf der Kippe, weil die Kaufbeurer durch ihre individuelle Stärke stets gefährlich waren.

Nur bei der Schlüsselszene des Spiels gingen die Meinungen von Ken Latta und Gunnar Leidborg auseinander. Nach knapp 30 Minuten hatte Kapitän Emil Ekblad den Puck ins Tor gedroschen und vermeintlich zum 2:2 für den ESV Kaufbeuren ausgeglichen. Doch Pinguins-Torwart Edgars Lusins beschwerte sich vehement bei Schiedsrichter Stephan Kadow und konnte diesen überzeugen. Der Unparteiische entschied auf Torraumabseits und gab den Treffer nicht. «Für mich war das ein reguläres Tor», sagte Latta. Leidborg widersprach umgehend: «Ich war ja selbst mal Torwart und deswegen war für mich klar: Das war Torraumabseits.»

Doch das nicht gegebene Tor als einzige Ursache für die Kaufbeurer Niederlage verantwortlich zu machen, wäre nur die halbe Wahrheit. Nach einem guten ersten Drittel mit der Führung durch Rob McFeeters (4. Minute) und dem Ausgleich bei Pinguins-Überzahl durch Chris Leinweber (15.) leisteten sich die Gäste im Mittelabschnitt eine ganze Reihe von Fehlpässen. Einmal spielte Ekblad den Puck genau in den Schläger eines Pinguins, einmal war es Florian Hechenrieder, einmal Robert Paule. Bei solch einem Fehler-Festival war ein Gegentor nur eine Frage der Zeit.

Als Hechenrieder einen Schuss von Michail Kozhevnikov abprallen ließ, war kein ESVK-Verteidiger zur Stelle, sodass Jonas Lanier sich die Scheibe schnappen und einschießen konnte (25.). Als dann das 2:2 nicht gegeben wurde und Marian Dejdar nur eine Minute später auf 3:1 erhöhte, war das Spiel schon fast gelaufen.

Die nur mit neun Stürmern und fünf Verteidigern angetretenen Joker hatten nicht mehr die Kraft, das Spiel zu kippen. Zumal sie ab der Mitte des Schlussdrittels nur noch zu viert verteidigen konnten. Robert Paule hatte nach einer Rauferei mit Sergej Janzen eine Spieldauerstrafe erhalten. Eine überharte Entscheidung von Kadow, die für Kaufbeuren schmerzhaft ist. Schließlich ist Paule nun eine Partie gesperrt. Doch Ken Latta verkniff sich jeden Kommentar zum Schiedsrichter: «Dazu äußere ich mich lieber nicht», sagte er mit einer Miene, die mehr sagte als tausend Worte.

Stattdessen beschränkte sich der ESVK-Trainer auf eine sportliche Wertung des Spiels: «Bremerhaven hat hohes Tempo gemacht und das Spiel verdient gewonnen», meinte Latta. Sein Gegenüber war sich der Sache aber nicht ganz so sicher. «Gegen Kaufbeuren muss man immer bis zur letzten Minute zittern. Sie haben die Klasse, aus dem Nichts Torchancen zu erschaffen», meinte Leidborg. Für Nervenschonung bei dem Schweden am Vorabend seines 55. Geburtstags hätten schon Jonas Lanier und Chris Stanley sorgen können, die jeweils bei Unterzahl völlig allein auf das Kaufbeurer Tor zufuhren, aber an Thomas Tragust, der im Schlussdrittel für den am Fußgelenk verletzten Hechenrieder im Tor stand, scheiterten.

So hätten Jordan Webb mit einer Direktabnahme oder Anton Saal, der nach einem tollen Pass des gestern herausragenden Daniel Oppolzer das leere Tor verfehlte, noch einmal für Spannung sorgen können. Die war dann endgültig raus, als Markus Schmidt (54.) mit dem dritten Überzahl-Tor für die Pinguins an diesem Abend den Sack zumachte.

So blieb für die Kaufbeurer an einem Wochenende, an dem sie mit Dresden und Bremerhaven gleich zwei direkte Kontrahenten im Kampf um einen Pre-Playoff-Platz als Gegner hatten, nur ein mageres Pünktchen.

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