Zum ersten, zum zweiten - und zum dritten

Von Miriam Hieble, Kempten - 'Die Nummer 15, ein Heimtrainer. Gibt natürlich wieder niemand zu, dass er den vielleicht brauchen könnte.' Mit solchen und ähnlichen Sprüchen wurden kürzlich im Pfandleihhaus die Stücke zur Versteigerung angepriesen. Für den ausgedienten Heimtrainer freilich kann sich niemand erwärmen. Beim Schmuck dagegen ist das Interesse schon größer, schaukeln sich die Summen richtig hoch: '90 zum ersten, 95 zum ersten, 100 zum ersten'. Erst wenn niemand mehr bietet, gehen die Schätze 'zum dritten' an den Meistbietenden - und so manches Schnäppchen an die Besucher. 'Wir sind häufig der letzte Anker', erklärt Ulrich Gschwender, dem das Pfandleihhaus gehört. Wer beispielsweise schnell Geld braucht, kann beim Pfandleihhaus Gegenstände eintauschen. Werden diese innerhalb eines Vierteljahres nicht wieder eingelöst, würden die Pfandleihstücke zur Versteigerung frei gegeben. Zweimal im Jahr findet die im Pfandleihhaus in der Porschestraße statt. Was nicht versteigert wird, wird verkauft oder beim nächsten Mal wieder angeboten. Immer mehr Pfandleihhäuser, so Gschwender, müssten schließen, weil sie die Stücke nicht mehr verkaufen. Im Kemptener Pfandleihhaus sei beispielsweise dieses Mal der Schmuck fast 20 Prozent billiger als beim letzten Mal.

Genau unter die Lupe nehmen Die Halle freilich ist voll mit Sammlern, Händlern und Schnäppchenjägern jeden Alters. Der eine fragt nach, ob die Uhr auch echt gold sei, ein anderer beäugt kritisch eine E-Gitarre, eine dritte spekuliert auf den Brotbackautomat. Denn vor der Versteigerung heißt es, die Pfandleihstücke genau unter die Lupe zu nehmen. Spannend wird es dann bei der Versteigerung selbst. Ein Ehepaar aus Durach beispielsweise ist zum ersten Mal dabei,. Die beiden wollen für den Enkel einen Baukasten ersteigern, aber nicht mehr als 30 Euro ausgeben. Bis aus Augsburg ist ein Uhrenhändler angereist. Doch der weite Anreiseweg hat sich gelohnt, drei wertvolle Stücke gehen in den Besitz des Augsburgers über.

Nächster Termin im Dezember Die Liste der Versteigerungsgegenstände ist lang. Ferngläser werden angeboten und Bohrmaschinen. Oder eine Kaffeemaschine, 'wo der Kaffee schon fast teurer ist als d'Maschine selbst'. Versteigerer Richard Kaufmann aus dem oberbayrischen Rosenheim kann aber auch nach etwa zwei Stunden mit viel Witz nicht mehr viel ausrichten, denn die Kauflust nimmt deutlich ab, die Halle wird leerer. Das Ehepaar aus Durach hatte Erfolg, der Baukasten für den Enkel wurde ersteigert, die Freude über den ersten Versuch ist groß. Neugierig geworden? Die nächste Versteigerung kommt bestimmt - und zwar im Dezember. Bis dahin werden jene Gegenstände, die nicht versteigert wurden, jeden ersten Dienstag im Monat von 16 bis 18 Uhr im Pfandleihhaus in der Porschestraße zum Verkauf angeboten.

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