Zivildienst: Planung wird immer schwieriger

Kempten(bec). - Neun Monate Zivildienst? Laut Wolfgang Grieshammer, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Kempten, werde damit eine Planung immer schwieriger: 'In der Pflege und der Kinderbetreuung brauchen die Ersatzdienstleistenden eine Anlernzeit und dann sind sie noch einen Monat auf Schulung.' Wie die sozialen Organisationen auf die geplante Reform des Zivildiensts reagieren, hat die AZ erfragt. 2008 soll's soweit sein: Dann will die Bundesregierung im Zuge der Reform der Bundeswehr endgültig den Zivildienst abschaffen. Doch zunächst ist eine nochmalige Kürzung der Ersatzdienstzeit auf neun Monate - bisher waren es zehn - vorgesehen. Zwar betrachtet Grieshammer die Arbeit der Zivis als sehr wichtig, betont aber, dass deren Leistungen nur zusätzliche seien. 'Deshalb trifft uns der Rückgang nicht allzu hart.' Um diese ergänzenden Dienste erhalten zu können, plane das Diakonische Werk für junge Leute ein Diakonie-Praktikum. Dieses solle zwischen einem halben und einem Jahr dauern und möglichst viele Bereiche abdecken. Stärker auf Ehrenamtliche und geringfügig Beschäftigte setzt seit einiger Zeit das Rote Kreuz. Geschäftsführer Alexander Schwägerl hofft, damit den anstehenden Wegfall der Ersatzdienstleistenden kompensieren zu können: 'Wir arbeiten darauf hin, auch schon vor der Abschaffung ganz ohne die Zivis auszukommen.' Momentan habe die Organisation noch 22 junge Männer, die aber hauptsächlich in Immenstadt, Sonthofen und Oberstdorf eingesetzt würden. In Kempten beschränke sich die Arbeit der Rot-Kreuz-Zivis auf den Rettungsdienst. Anfang vergangenen Jahres hatte der Malteser-Hilfsdienst noch 32 Zivildienstleistende - jeweils 16 in Kempten und Memmingen, nun sind es drei in Kempten und zwei in Memmingen. 'Dass jetzt die Zivis fehlen, liegt an der Einberufungssperre im Juni 2003', erklärt Bezirksgeschäftsführer Bruno Ollech. Allerdings seien die Malteser bereits seit zwei Jahren bemüht, die Zahl zu reduzieren, 'damit es uns nicht eiskalt erwischt'. Grundsätzlich ist Ollech der Meinung, dass eine weitere Verkürzung der Dienstzeit den Einsatz von Zivis uninteressant mache: 'Für uns wird's immer teurer. Ein Zivi kostet in den zehn Monaten 4500 bis 5000 Euro, da wir ja auch die Ausbildungen zahlen müssen.'

Das Geld ist die Krux Bereits die letzte Verkürzung - damals von 13 auf zehn Monate - habe bei den Maltesern Folgen gehabt: 'Einige Leistungen, wie Fahrten für Behinderte, wurden schon eingeschränkt.' Zwar wolle Ollech weiter alle Leistungen anbieten, 'aber das geht nur, wenn sie teurer werden und die Leute auch das Geld dazu haben. Genau das ist die Krux'. 'Wir brauchen die Zivis und werden auch weiterhin welche einstellen, auch wenn's mit den neun Monaten schwerer wird', verdeutlicht Hubert Berger, Regionalvorstand der Johanniter. Doch auch dort habe man sich schon Gedanken darüber gemacht, wie es ohne weitergehen soll: Mit geringfügig Beschäftigten und ehrenamtlichen Helfern. Berger: 'Seit 2001 haben wir 50 Prozent der Zivistellen abgebaut und es trotzdem mit 20 Zivis noch geschafft, alle Dienste anzubieten.' Ob das auch weiterhin klappt, müsse man sehen: 'Vielleicht werden dann einige kleinere Dienste wegfallen.'

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