Zivilcourage statt Holzhammer-Methode

Von Markus Erdt | Füssen Die Füssener Jugend ist sauer über die Sperrzeitverlängerung dreier Lokale in der Tiroler- und Schwangauer Straße sowie dem 'Club' in der Huttergasse. Ihrem Ärger machten sie am vergangenen Freitagabend im Rahmen einer Diskussion mit Paul Iacob, im 'Café Eichhorn' Luft. Der Bürgermeisterkandidat der SPD kritisierte vor allem die 'Holzhammer-Methode' von Amtsinhaber Christian Gangl, forderte aber auch von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen mehr Zivilcourage ein, um den nächtlichen Ruhestörern zu begegnen.

'Ihr dürft nicht zulassen, dass Ihr alle die Fehler von ein paar wenigen, ausbaden müsst', erklärte er. Zum Schutz der Anwohner sah Bürgermeister Christian Gangl keine andere Möglichkeit, als die Anordnung der Maßnahme, dass die Kneipen um 2 Uhr schließen müssen (wir berichteten). Darunter leiden jetzt die jungen Kneipengänger und sehen sich ausgegrenzt. 'Wo soll die Jugend denn hin? Füssen entwickelt sich zu einem Altersheim', fragte Ralph Tönnies. Er will eine Unterschriftenliste in den betroffenen Kneipen auslegen, in die sich diejenigen eintragen sollen, die für eine Rückkehr zur alten Regelung sind.

Demonstration vorgeschlagen

Noch einen Schritt weiter ging ein junges Mädchen, das eine Demonstration vorschlug. 'Wir Jungen müssen zeigen, dass wir auch wer sind', rief sie in den voll besetzen Raum und erntete große Zustimmung. Auch von Bürgermeisterkandidat Paul Iacob. Er brachte zudem die Anstellung eines von der Polizei geschulten Sicherheitsdienstes ins Gespräch, der in diesem Bereich für Ruhe und Ordnung sorgen soll. An der Finanzierung müssten sich neben der Stadt allerdings auch die Wirte beteiligen, so Iacob. Ein Vorschlag, der für den Inhaber des 'Surreal', Wolfgang Wildemann, nicht ganz neu ist. So habe laut seiner Aussage Bürgermeister Gangl bei einem Wirtetreffen im November Interesse an einem Wachdienst geäußert und wollte sich erkundigen, ob und wie sich die Stadt daran beteiligen kann. 'Doch passiert ist bislang nichts', schimpfte Wildemann, der gegen die neue Sperrzeit Klage beim Verwaltungsgericht Augsburg erhoben hat. 'Wenn ich im 2 Uhr schon schließen muss, dann ist das für mich existenzbedrohend', so der Wirt.

800 Euro weniger Umsatz

Nicht ganz so drastisch drückte sich Ingrid Henniger aus, die als Inhaberin des 'Club' und 'Café Eichhorn' gleich doppelt betroffen ist. 'Mir fehlen durch die neue Regel in beiden Lokalen an einem Wochenende rund 800 Euro Umsatz', beschwerte sie sich und wetterte vor allem gegen einen in der Schwangauer Straße wohnenden Stadtrat, der in ihren Augen hauptverantwortlich sei.

Verantwortung übernehmen will auch Paul Iacob. Konkret angesprochen, wie er als Füssener Bürgermeister die Situation lösen würde, sagte er: 'Ich nehme die Sperrzeit zurück und würde eine Probezeit von einem Vierteljahr gewähren.'

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