Ziemlich flach gesegelt

Kaufbeuren - Wie wird man Kabarettist? Stephan Bauer, der im Podium sein Programm 'Nachts geht mehr' vorstellte, wusste eine Antwort: Voraussetzung ist eine schwierige Kindheit, bei der die bisexuelle Mutter mit Doppelnamen sich als Tanzlehrerin betätigt und Trommelkurse belegt - so entstünde spätestens ab 16 Jahren die Lust, Leute zu beleidigen. Bleich steht der Kabarettist da, obwohl er noch vor zehn Tagen zum Mumienliegen in der ägyptischen Sonne war. Die Blässe stammte aber auch wohl eher her von der praktischen Erfahrung mit seiner Theorie von der klassischen Entwicklung der Ehe: Kuscheln, Klammern, Katastrophenmanagement. Als selbst Rheumasalbe und Reizstrom nicht mehr helfen und alle es schon auf die Zeit schieben wollen, hilft nur noch der Rat des Partnerschaftsberaters: Mit neuen Dingen experimentieren. 'Wer aber nach dem Gebrauch einer SM-Latex-Wurstpelle noch an Sex denkt, hat schon ein ernsthaftes Problem!' Doch nach der Trennung, und erneut unter dem mütterlichen Versorgungsterror stehend, hat es der Normalo ohne Waschbrettbauch schwer auf dem freien Markt der Partnersuche. Auch eine Heiratsannonce bringt nicht den erhofften Erfolg. Gruselt er sich doch vor Frauenbeinen mit Dreitage-Stoppeln oder immer wiederkehrender weiblicher Migräne. Letztere ist für ihn ohnehin nur Ergebnis unterdrückter Blähungen.

Stephan Bauer lässt das Publikum an seinen Befindlichkeiten teilhaben, führt sie ein in die Welt der Fitnessstudios, Dirt Consultants (Putzfrauen) und Internet-Chats, wo er als 'Rammeltiger' auf 'Pimpermaus' trifft. Ohne auf ein einziges Klischee zu verzichten, lässt er sich genüsslich über das technische Unverständnis von Frauen aus, die weder mit Tonträgern umzugehen verstehen noch diese gebührend würdigen und Lautsprecherboxen mit Vasen, Kerzen und Terrakottablumen verunstalten. Wer intelligentes Kabarett erwartete, wurde zweifellos enttäuscht. Die Comedy-Fans, die im Publikum an diesem Abend stark vertreten waren, amüsierten sich jedoch königlich und klopften sich vor Lachen auf die Schenkel. Auch wenn die Kalauer nicht immer neu waren, manchmal sogar extraflach angesegelt kamen. Wie jener aus der Zeit, als seine 'besten' Sachen entstanden: König Ludwig hatte eine große Vorliebe für Brot und schickte immer seine Zofe zum Bäcker, der dafür noch heute bekannt ist - mit seinem 'Hol-Zofen-Brot'. Aua! Bleibt Stephan Bauer von Herzen zu gönnen, dass er nicht als Sohn einer Tanzlehrerin aufwuchs. Bei ihm war es nämlich total anders. In geordneten Verhältnissen bekam er nur Ohrfeigen vom Vater, um sich schon mal an die Applausgeräusche zu gewöhnen. Den erhielt er denn auch vom Großteil seiner Zuschauer im Podium anhaltend und kräftig, während andere mit langen Gesichtern höflich klatschten. Elisabeth Klein

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