Ziele für christliche Osterläufe gibt es viele

Buchloe (sei/kel). - Seit Gründonnerstag waren die Kirchturmglocken verstummt. Nach altem Volksglauben fliegen sie nach Rom. In dieser Zeit rufen als Ersatz die 'Rätschen' zur Messe, so auch zur Osternacht in die katholische Stadtpfarrkirche Buchloe. Besonders stimmungsvoll verlief ebenfalls die evangelische Osternachtsfeier in der gut besetzten Hoffnungskirche. Am Osterfeuer vor der katholischen Kirche entzündete Stadtpfarrer Reinhold Lappat die Osterkerze, die anschließend Licht in die Dunkelheit des Gotteshauses brachte. Nach dem Gesang des Exsultet (der Deutung der Stunde), hörten die Gläubigen Lesungen aus dem Alten Testament. So vom Exodus, dem Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer aus der Sklaverei in die Freiheit. Beim ergreifenden 'Gloria' kehrten die Glocken zurück, die Orgel begann wieder zu spielen. In seiner Predigt ging Lappat auf die Auferstehung ein: 'Ein Toter lebt, wo gibt's denn so was.' Die Apostel glaubten den Frauen nicht, was sie erzählten. 'Ganz typisch für die Kirche', werde jetzt so mancher sagen. Ein Funke sprang aber doch über, Petrus stand auf und lief zum Grab - er hörte auf die Frauen. Lappat 'wagte' einen Blick in die Zukunft. Wenn man die Ostergeschichten anschaue, sei auffallend, wie viel da gelaufen wird und in Bewegung kommt. 'Der Gekreuzigte lebt', das habe die Menschen in Bewegung gebracht, herausgeholt aus ihren Sackgassen, das hat sie völlig umgekrempelt. Wenn das in dieser Nacht mit uns passierte, stünde es ganz gut um die Kirche der Zukunft. 'Das christliche Osterlaufen beginnt mit der Auferweckung des Gekreuzigten aus dem Tod', so Lappat. Ostern rufe ins Gedächtnis zurück: 'Lebe schon vor dem Tod'. Ziele für christliche Osterläufe 'gibt es noch viele' vor der Haustüre. Manche warten auf ein gutes Wort, eine Geste der Zuwendung, auf praktische Solidarität.

Auch in der Kirche seien noch versiegelte Steine aufzubrechen. Ja, es würden immer noch Ostermarschierer gesucht - Menschen, die aufbrechen. Heuer hatte sich Lappat ein paar Pfarrerwitzchen für den Schluss aufgehoben, lachend solle man hinausgehen: 'Max, gib' dem Pfarrer zum Abschied die Hand. Was sagt man Schönes, wenn er geht?' - 'Gott sei Dank' Draußen war es noch dunkel, da begann auch die evangelische Osternachtsfeier. Stimmen aus dem Altarraum erklangen: Pfarrerin Ute Neubauer und ein Team Ehrenamtlicher lasen Verheißungen aus dem Testament: Schon in der Vergangenheit versprach Gott, den Glaubenden ein neues Herz und einen neuen Geist für ein neues Leben zu schenken. Und im endzeitlichen Leben verheißt Gott den Menschen einen neuen Himmel und eine neue Erde ohne Leid und Schmerz. In den besinnlichen Pausen sang die Gemeinde Taizélieder bei Orgelbegleitung. Zurück in der Gegenwart, schilderte ein Gebet die bange Zeit der Jünger zwischen Tod und Wiedererscheinung Jesu. Endlich kündigen laute Töne einer Toccatafuge, begleitet von Lichtblitzen, das Ende der finsteren Zeit an. Bei Kerzenschein im Altarraum hörte die Gemeinde das Osterevangelium in englischer, italienischer, französischer und spanischer Sprache, unterbrochen von einer stets lauter werdenden Orgelmelodie. Nach der Osterbotschaft auf Deutsch erfolgte der Osterruf: Christus ist auferstanden. Ein Bläserruf, gespielt von einem Trio der Stadtkapelle, kündigte die neue Osterzeit an: Kirchenvorsteher Peter Radmüller trug die am Osterfeuer vor der Kirche entzündete Osterkerze zum Altar und verkündet dabei laut singend die Auferstehung Jesu. Anschließend feierte die Gemeinde am Osterfeuer bei Kerzenlicht und Bläsermusik. Zurück in der Kirche, führte Neubauer einen neuen Ritus für die Osternacht ein: Sie segnete Osterwasser und teilte es in Schälchen aus: Jeder konnte sich damit die Augen befeuchten - als Zeichen des neuen Sehens mit einem neuen Herzen. Die Feier endete mit dem Abendmahl. Wie es schon ein Ritus ist, bildete die Gemeinde einen großen Kreis. Vom Altarraum ausgehend, reichte man Brotschale und Weinkelch an den Nächsten weiter. Zum Schluss fassten sich alle an den Händen und nahmen den Segen Gottes, von der Pfarrerin gesprochen, in Empfang. Im Anschluss trafen sich viele Besucher zum Osterfrühstück im festlich geschmückten Gemeindesaal.

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