Beckstetten
Ziegen als Alternative zur Rinderhaltung

Die rund 50 Männer und Frauen singen aus voller Kehle: «An meiner Ziege hab ich Freude» schallt es durch das Gasthaus Adler - begleitet von einem Dudelsack aus Ziegenfell. Für den Verband schwäbischer Ziegen-züchter sind die gehörnten Tiere mit dem langen Bart eine echte Alternative zur Rinderhaltung. Kein Wunder also, dass er sein 90-jähriges Bestehen etwas anders feiert - bei einer Singstunde mit «Liedern von der Geiß».

Zwölf Ziegenweisen hat Christoph Lambertz von der Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks Schwaben zum Jubiläum zusammengetragen. Unterstützt von Johannes Sift an der Diatonischen spielt er die Lieder vor und bringt die Gäste mit viel Humor dazu, lauthals mitzusingen. So erklingen eine Stunde lang Balladen von diebischen oder paarungsunwilligen Ziegenböcken, Geschichten von Schneidern auf Wanderschaft oder mit schwachem Magen, aber auch das unverwüstliche «Auf der schwäbischen Eisenbahn».

Verbandsvorsitzender Rudolf Rogg hatte die Idee zu der ungewöhnlichen Jubiläumsfeier, die bei den Mitgliedern sichtlich gut ankam. Er selbst steuerte zwei Gedichte bei - zum frechen Bock Idefix und zu seinem Alltag: «Bei mir da meckerts überall, und des ned bloß im Geißenstall».

Weniger Mitglieder

Zuvor ließ Rogg die Geschichte des Verbands Revue passieren, erinnerte an die Gründung am 19. Dezember 1920 in Augsburg und das beste Ziegenjahr 1923, als in Schwaben ganze 20745 Tiere gezählt wurden. Danach ging es kontinuierlich bergab, bis 1985 mit nur noch 45 Mitgliedern der Tiefstand erreicht war. Inzwischen bewegen sich die Mitgliederzahlen mit leichten Schwankungen um die 100.

Schon in den 1950er-Jahren feierten die schwäbischen Ziegenzüchter Ausnahmetiere wie Geiß «Metta» mit 1774 Kilogramm Milch. 2008 erreichte eine Weiße Deutsche Edelziege von Wolfgang Karrer mit 1714 Litern die Höchstleistung. Dazu stellte der Züchter aus Woringen zwei Siegertiere bei der Landesschau in Straubing. Rogg ehrte ihn sowie den Züchterkollegen Vinzenz Schweizer aus Dillingen, der beim Zentralen Landwirtschaftsfest die schönste Ziege Bayerns zeigte.

Der Vorsitzende hatte aber auch kritische Worte zur Hysterie um die Blauzungenkrankheit und zu den zunehmenden Anforderungen an die Betriebe. So gebe es laut Fachberater Georg Zettler eine neue Kennzeichnungspflicht ab 2010, die für die Züchter erneut mehr Aufwand bedeutet.

Die Laune ließen sich die Gäste dadurch nicht verderben: Sie schmunzelten lieber über die Texte der schwäbischen, fränkischen und altbairischen Geißenlieder und beendeten die Versammlung standesgemäß mit einer Hymne.

Allerdings nicht mit der bayerischen, sondern der englischen - mit leicht abgewandeltem Text: Statt «God save our Queen» hieß es «Ziegen in unserm Stall, Ziegen gibts überall»

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