Kaufbeuren / Marktoberdorf
Zeuge macht Rückzieher

Die Vorwürfe waren erheblich und hätten bei einer entsprechenden Verurteilung für den 24-jährigen Angeklagten eine Haftstrafe zur Folge gehabt. Hundert Fälle des gewerbsmäßigen Handels mit Cannabis wurden dem einschlägig vorbestraften Marktoberdorfer zur Last gelegt. Weil sich vor dem Kaufbeurer Schöffengericht aber nur ein Bruchteil der Vorwürfe beweisen ließ, kam der junge Mann mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und 1200 Euro Geldauflage davon. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Die Anklage hatte sich vor allem auf Angaben eines Dealers gestützt, bei dem der Angeklagte vergangenes Jahr fünfmal jeweils 2,5 Gramm Cannabis gekauft hatte. Gegenüber der Polizei hat der Dealer erklärt, dass der Marktoberdorfer außerdem bei einem anderen Lieferanten 2007 und 2008 etwa hundertmal Cannabis in erheblichen Mengen erworben habe. Vor Gericht machte der Dealer jetzt aber, wie es der Richter formulierte, «einen gewaltigen Rückzieher». So blieben im Urteil letztlich nur dreizehn Fälle des unerlaubten Betäubungsmittel-Erwerbs sowie ein Fall der Beihilfe.

Letzteres hatte der Angeklagte zwar bestritten. Der Dealer schilderte aber glaubhaft, wie ihm der Marktoberdorfer im Februar dieses Jahres den Kontakt zu einer unbekannten junge Frau vermittelt hatte. Diese habe dann 100 Gramm Extasy-Tabletten für 640 Euro gekauft. Die dreizehn Cannabiskäufe, wegen derer er jetzt verurteilt wurde, hatte der Angeklagte selbst zugegeben. Er beteuerte, er habe das Rauschgift ausschließlich zum Eigenkonsum erworben.

Bei den polizeilichen Ermittlungen hatte sich der Fall anders dargestellt: Sowohl der Dealer als auch die Exfreundin des angeblichen Großlieferanten hatten den Angeklagten beschuldigt, regelmäßig Cannabis in einer Größenordnung von 100 bis 500 Gramm erworben zu haben - was eher auf Handel als auf Eigenkonsum hingedeutet hat. Die junge Frau hatte gegenüber der Polizei sogar geäußert, der Angeklagte habe zu ihr gesagt, «dass er ganz Marktoberdorf versorgt».

Ihre umfangreichen Angaben hatte die Zeugin dann allerdings nicht unterschrieben.

Vor Gericht erklärte sie, sie sei von ihrem Exfreund vor der Trennung «aufs Übelste geschlagen» worden, und habe deshalb ihre Angaben zu seinen Drogengeschäften übertrieben. Die Polizei war den Dealern bei Ermittlungen in der Drogenszene auf die Spur gekommen und per Telefonüberwachung auf den Angeklagten gestoßen.

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