Zerstört, aufgebaut, niedergebrannt

Oberschönegg (grr). In Oberschönegg, heute im Landkreis Unterallgäu, bis zur Gemeindereform vom Landkreis Illertissen verwaltet, steht der 'Römerturm'. Natürlich reicht der Turm, der einst der Bergfried einer Burganlage war, nicht in die römische Vergangenheit zurück. So ist auch unten am Einlass vermerkt: 'Man nennt ihn den Römerturm, es ist aber kein Bauwerk aus der Römerzeit.' Hat der Ausflügler aber erst mal die 116 Stufen im Turm, zur einen Hälfte aus Holz, zur andern aus Stein, hinauf zur 64 Quadratmeter großen Plattform in 29 Metern Höhe erklommen, so kann er doch Blicke zurück in die römische Vergangenheit wagen. Genau 12,5 Kilometer weiter westlich ragt der Turm der Kellmünzer Martinskirche auf. Sie steht auf dem Grund eines Kastells aus Römerzeiten, angelegt ums Jahr 300 nach Christus. Der Oberschönegger Turm ist der verbliebene Rest der 1126 erstmals genannten Burg Altenschönegg. Besitzer waren die Herren von Schönegg, die seit 1220 als Reichsbeamte im Königsdienst standen. Ihnen gehörte bis 1357 auch Babenhausen, das seit 1274 das Schönegger Wappen führt. Das adelige Geschlecht stellte wiederholt Kanzler des Kaisers und Bischöfe und gründete 1273 das Frauenkloster Klosterbeuren in Sichtweite der Burg. Damit schuf es sich eine Grablege und sorgte zugleich für Beterinnen, die sich nach ihrem Ableben ums Seelenheil der Schönegger kümmerten. Aber die Herren hatten auch mit mancherlei Unbill zu tun. König Rudolf von Habsburg soll ihre Burg 1281 nahezu vernichtet haben. Die wiederaufgebaute Anlage wurde 1319 ein weiteres Mal zerstört - von Memminger Bauern und Bürgern, die sich auf diese Weise wohl gegen überhöhte Abgaben und Frondienste wehrten. Erneut schlug Memmingen im Städtekrieg 1388/89 zu. Der Augsburger Bischof Burkhard von Ellerbach, inzwischen Besitzer der Burg, beklagte, dass dabei die Kapelle zerstört worden sei.

Auch Ulm geriet mit Oberschönegg in Streit und zündete 1446 die Anlage an. Das endgültige Aus kam wohl 1462, als Herzog Ludwig IX. von Bayern im Streit mit Kaiser Friedrich III. durch einen gedungenen wilden Haufen die Anlage niederbrennen ließ. Über Jahrhunderte stand nun der Turm als letzter Rest allein in der Landschaft am östlichen Hang des Günztals. Diesen kaufte 1809 Fürst Anselm Maria Fugger von Babenhausen. Der innen ausgebrannte quadratische Bau wurde instandgesetzt, eine Treppe hineingebaut und das Ganze als Aussichtsturm hergerichtet. Der untere Teil mit seinen stark verwitterten Buckelquadern aus Nagelfluh ist bis in sieben Metern Höhe aus dem 12. oder frühen 13. Jahrhundert erhalten. In ihm fällt auf der Westseite eine zwei Meter hohe Öffnung auf. Dort dürfte der nur über eine Leiter erreichbare Eingang gelegen haben. Denn als Bergfried war er im Fall einer Erstürmung der Burg die letzte Zuflucht der Bewohner. Das restliche, gut 22 Meter hohe Mauerwerk aus unverputzten Backsteinen stammt wohl aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Ein fast winziger Zugang führt heute in den jederzeit frei zugänglichen 'Römerturm'. i Einen Wegweiser zum Römerturm gibt es an der Straße von Babenhausen her. Von dort sind es zu Fuß 450 Meter.

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