Kaufbeuren
Zeitreise in die Allgäuer Kindheit

Sechs Jahrzehnte sind vergangen, bis Manfred Giesler an die Stätte, wo er einen großen Teil seiner Kindheit verbracht hat, zurückgekehrt ist. «Ich bin nach Kaufbeuren gefahren, um zu sehen, was ich mit den Augen eines Kindes nicht gesehen habe», sagt der 74-Jährige. Vom Kaufbeuren der Gegenwart ist er restlos begeistert: «Es ist eine wunderschöne Stadt, ein Juwel. Wenn ich kein solcher Großstädter wäre, könnte ich mir vorstellen, mich hier niederzulassen.»

Dabei hat Giesler vor langer Zeit bereits einmal hier gelebt.1942 wurde der Vater des gebürtigen Düsseldorfers zu Kriegszeiten an den Kaufbeurer Fliegerhorst berufen. Eigentlich sollte die dreiköpfige Familie nur für wenige Monate im Allgäu bleiben, wohnte zunächst im Hotel Hasen. Weil ihr Haus in Düsseldorf zu jener Zeit jedoch zerbombt wurde, entschieden sich die Gieslers, hier zu bleiben. Bis 1950 bewohnten sie ein Häuschen in Untergermaringen, ehe sie ins Rheinland zurückzogen.

Emotionales Erlebnis

Als «sehr emotional» beschreibt Giesler nun das späte Wiedersehen mit Kaufbeuren: «Wenn man so durch die Stadt geht, kommen viele Erinnerungen auf.» Der Stadtkern habe sich über die Jahrzehnte kaum verändert. Die Faszination liege für ihn vor allem in der Architektur und der «wunderbaren» abendlichen Beleuchtung.

Was selbst für den wettererprobten Allgäuer derzeit mitunter lästig wird, begeistert Giesler wiederum: «Diese Schneelandschaft ist ein Traum. So was gibt es im Rheinland leider nicht.»

Bemerkenswerte Entdeckungen habe er während seines fünftägigen Besuches gemacht. «Ich komme als alter Mann zurück und aus meinem ehemaligen Schülerwohnheim der Realschule ist heute das Seniorenheim Heinzelmannstift geworden», schmunzelt Giesler, der als Kind dreimal beim Kaufbeurer Tänzelfest mitgemacht hat. Weil er beruflich viel im Ausland war und andere Lebensinteressen hatte, habe es viel zu lang gedauert, bis er zurückgekehrt sei. Das Auge für das Schöne sei bei ihm eben erst mit dem Alter gekommen.

Der Plan zur Rückkehr reifte schließlich, als ihm nach dem Tod seiner Mutter vor drei Jahren Unterlagen und Bilder von der Zeit im Allgäu in die Hände gefallen waren. Diese hat er nun zum großen Teil dem Kaufbeurer Heimatverein überlassen.

Mit einem beglückenden Gefühl fahre er zurück nach Hause, erzählt Giesler. «Es war für mich eine besondere Auseinandersetzung mit meiner Kindheit, die mir absolut gut getan hat.» Deshalb wolle er auch so schnell wie möglich wiederkommen.(wd)

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