Zauberhaft und einzigartig

Von Klaus Bielenberg | Seeg Was war das für eine zauberhafte Hinführung zum Weihnachtsfest? In der herrlichen, neu renovierten Rokokokirche St. Ulrich in Seeg schuf Enrico de Paruta mit dem klassischen Epos 'Heilige Nacht' von Ludwig Thoma eine einzigartige szenische Inszenierung. Im Arrangement mit den Künstlern Benjamin Grund (Tenor), Stefanie Hampel (Harfe) und Perry Schack (Gitarre) verbanden sich Text und Musik zur wunderbaren Einheit. Nachdem von dem verstorbenen Pfarrer Alois Meisburger die Komposition 'Heil dem Tage' verklungen war, meinte Paruta: 'Er erlebt nun den Himmel so, wie Ludwig Thoma es im Traum des Handwerksburschen bildhaft schildert.'

Zunächst gaben die Seeger Alphornbläser mit getragenen Weisen die richtige Einstimmung für das nachfolgende Geschehen in sechs Hauptstücken. Von Beginn an verstand es Paruta, die Zuhörer 'mitten in das Geschehen der Nacht auf berührende Art einzubeziehen', wie dies Pfarrer Harald Heinrich in seinen Begrüßungsworten ausdrückte. In der Nachdichtung des Weihnachtsgeschehens nach Lukas sind es bei Thoma die mit Lokalkolorit ausgestatteten Figuren, die in voller Lebendigkeit agieren und dabei auch zum Nachdenken anregen.

Mit seiner warmen, tiefen, unnachahmlichen Stimme, der Haltung, der Bewegung und Gestik schafft Paruta eine unmittelbare Plastizität. Ob die hartherzigen Wirte, Josias mit seiner Frau als Verwandte, der bettelarme Handwerksbursche und der Simmei, der nur den Stall als Herberge anbieten kann - sie treten nicht nur mit ihrer oberbayrischen Mundart, sondern in ihrer Wesensart wie selbstverständlich vor das geistige Auge der Zuhörer.

Die menschliche Botschaft

Der arme brave Schreiner Josef, der mit seinen Kollegen schon gerne noch eine Maß Bier trinkt, wirkt sympathisch und man kann nachfühlen, wie ihn Maria wieder aufrichtet, wenn er verzagt und in tiefer Verzweiflung ist. Die menschliche Botschaft kommt gut herüber, 'warum s’ Christkind nur Arme g’seghn ham'. In den Dialogen, aber auch bei der Erzählung werden die Zuhörer in den Bann der wandelbaren Stimme gezogen, die beim Blick des Handwerksburschen in den Himmel so einfühlsam von der himmlischen Heiligkeit berichtet oder die schüchternen Hirten vorstellt, die die Pracht der Sterne, der Engel und die wunderbare Musik erleben.

Hohe Professionalität zeigte sich in den Überleitungen der einzelnen Szenen, wenn der Künstler zum Klang der gepflegten feinen Saitenmusik spricht und die Melodramatik zur perfekten Einheit wird. Benjamin Grund trug mit lyrischer Tenorstimme bekannte alpenländische Volksweisen, aber auch das 'Ave Maria' von Schubert, 'Panis angelicus' von César Frank oder 'Jesus bleibet meine Freude' von Johann Sebastian Bach vor. Dem zwölfjährigen Buben Lukas Gehrmann blieb es vorbehalten mit seinem Lied 'Alle Jahre wieder' die Kindheit aufleuchten zu lassen. Ergriffen und dankbar spendeten die Zuhörer in der voll besetzten Kirche großen Beifall.

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