Zahl der Hilfebedürftigen wächst

Kaufbeuren (rö). - 'Mitten im Wandel' - so sieht sich das Sozialamt Kaufbeuren, erklärte Amtsleiter Peter Kloos, der im Sozialhilfeausschuss den Sozialamtsreport 2003 vorstellte. Insbesondere die Änderung des Bundessozialhilfegessetzes ab 2005 werde Umstrukturierungen verlangen. Hier einige Eckpunkte aus dem Report. Im Vergleich zu anderen bayerischen Städten liegt Kaufbeuren bei den jährlichen Sozialhilfeausgaben mit 2,4 Millionen Euro etwas unter dem Durchschnitt (siehe Grafik). Hilfe zum Lebensunterhalt: Der größte Ausgabenposten im Sozialhilfeetat ist die Hilfe zum Lebensunterhalt. Obwohl nicht zu den wirtschaftsstarken Kreisfreien Städten zählend, liegen die Ausgaben dafür ebenfalls unter dem Durchschnitt vergleichbarer Städte. Ein erfreuliches Ergebnis, das insbesondere auf die gute Sozialberatung des Sozialamtes zurückzuführen sei, so Kloos. Rund 2 Mio. Euro wendete die Stadt dafür auf. Allerdings werde die Kurve aufgrund der gestiegenen Arbeitslosigkeit im Jahr 2004 weiter nach oben zeigen. Die Statistik zeige, dass die Zahl der Haushalte, die auf laufende Hilfe zum Lebensunterhalt zuzüglich Grundsicherung angewiesen seien, stetig steige. Auch die Zahl der Grundsicherungsfälle sei gestiegen. Die Verschiebung von der Sozialhilfe in die Grundsicherung habe nicht zu einer Entlastung in der Sozialhilfe geführt, weil gleichzeitig hier neue Fälle hinzugekommen seien. Im Stadtteil Kaufbeuren lag die Hilfebedürftigkeit bei 3,3, in Neugablonz bei 3,2 Prozent. Insgesamt erhalten 1263 Personen in Kaufbeuren laufende Hilfe, davon 486 Personen bis zum 18. Lebensjahr, ein hoher prozentualer Anteil (39 Prozent) der Kinder und Jugendlichen, die aufgrund der Hilfebedürftigkeit der Eltern auf Sozialhilfe angewiesen sind. Dazu kamen 77 Alleinerziehende mit Kindern bis zum 6. Lebensjahr, 66 Personen über 55 Jahre.

2002 waren es noch 211 gewesen. Die Verringerung ist auf die Einführung der Grundsicherung zurückzuführen. 175 Personen galten als nicht vermittelbar, 459 als vermittelbare Hilfesuchende. Arbeit statt Sozialhilfe: Nur 36 Prozent der Hilfesuchenden stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Für diesen Personenkreis greife das Programm 'Arbeit statt Sozialhilfe'. Die Zahl der vermittelbaren Hilfesuchenden sei im Vorjahr um 104 Personen gestiegen, so Kloos. Jeder vermittelbare Hilfesuchende ist einmal im Monat verpflichtet, bei der Agentur für Arbeit vorzusprechen und dies dem Sozialamt nachzuweisen. Wer eine ihm angebotene Stelle ablehnt, muss mit Kürzungen bei der Sozialhilfe rechnen. Den Sozialhilfeempfängern, insbesondere den jungen Menschen, werde gemeinnützige Arbeit in Altenheimen, im Krankenhaus, im Bauhof, in den Freibädern, Kindergärten oder Friedhöfen angeboten. Auf diese Weise wurden im Jahr 2003 145000 Stunden zum Wohl der Allgemeinheit geleistet, 65 Personen konnten auf dem freien Arbeitsmarkt dauerhaft vermittelt werden, 75 bekamen einen Zeitarbeitsvertrag bei der Stadt. 'Damit wurden der Stadt erhebliche Sozialhilfemittel erspart, aber das wichtigste: Den Hilfesuchenden wurde eine Perspektive gegeben und ein neuer Start ermöglicht', so Kloos. Maßnahmen für Sozialhilfeempfänger: Um die Vermittlungschancen für Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger zu erhöhen, bietet das Sozialamt verschiedene besondere Qualifizierungsmaßnahmen an, zum Beispiel einen Lehrgang für Schwesternhelferinnen und Pflegediensthelfer, einen Kurs Deutsch und Gesprächsführung für Altenpflegehelferinnen sowie sechsmonatige Deutschkurse insbesondere für Aussiedler. Zudem gibt es Trainingsmaßnahmen für arbeitslose junge Aussiedler und Ausländer und ein Projekt 'Neue Chance - neuer Start für jugendliche Aussiedler'. Grundsicherung: Die Zahl der Grundsicherungsempfänger steigt weiter an - dazu wird auch die Kürzung der Renten beitragen. Die Stadt hat im vergangenen Jahr 351000 Euro für Grundsicherung aufgebracht, für das Jahr 2005 sei bereits eine Steigerung um 200000 Euro zu erwarten, sollte der Gesetzgeber an seinen Plänen festhalten, das Wohngeld für Grundsicherungsempfänger nicht mehr zu gewähren. Zum Stichtag 30. Juni bestand bei 146 Haushalten Anspruch auf Grundsicherung - 122 davon waren zuvor Sozialhilfeempfänger. 33 Haushalte mit Grundsicherung beziehen weiterhin zusätzliche Hilfe zum Lebensunterhalt. Die strikte Trennung von Sozialhilfe und Grundsicherung werde mit der Gesetzesänderung zum 1. Januar 2005 wieder aufgehoben.

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