Zählung zeigt: Platz im Zug muss reichen

Marktoberdorf/Biessenhofen (vit). - 'Statt zu fordern, müssen wir jetzt selbst Verantwortung übernehmen.' So fasst Remigius Kirchmaier, Leiter der Berufsschule Marktoberdorf, die Konsequenzen aus Zählungen im Schülerzug von Kaufbeuren nach Marktoberdorf zusammen. Die Erhebungen der Schüler zeigen, dass in der Regel weniger als 250 Schüler Fahrgäste in den Triebwagen sind, die mehr als 300 Personen Platz bieten. Mehrere Maßnahmen sollen dazu beitragen, den Platz besser auszunutzen. Ältere Schüler sollen eine Art Ordnerfunktion übernehmen. Wenn der Zug morgens um 7.33 Uhr den Kaufbeurer Bahnhof verlässt, sitzen in ihm durchschnittlich 110 Fahrgäste. Rund 60 weitere steigen wenig später in Biessenhofen zu und wenn weitere 65 bis 70 Jugendliche in Ebenhofen um 7.43 Uhr in den Regionalexpress wollen, gibt es ein großes Gedränge. Es sind vor allem Schüler, die diesen Zug nutzen, und mindestens 240 Schüler strömen um 7.51 aus den roten Triebwagen am Schulzentrum zu Realschule, Berufsschule und Gymnasium. Nachdem in einzelnen Fällen Kinder nicht mehr in den Zug gekommen waren, reagierten die Schulen. Doch Briefe an die Bahn zeigten kaum Wirkung. Dort erklärte man, dass ausreichend Platz vorhanden sei. Rund 20 Schüler 'kontrollierten' daher von Mitte April bis Ende Juni an allen Haltestationen, wie viele Fahrgäste wirklich einsteigen. Und das Ergebnis überraschte die Verantwortlichen: Der Platz muss ausreichen; mit etwa 250 Passagieren ist der Doppelwaggon nicht überfüllt. Diese Ergebnisse präsentierten nun die Schulleiter zusammen mit Landrat Johann Fleschhut. Die Schüler berichteten, dass das Bahnpersonal etwas unfreundlich auf die Zähler reagiert habe. Ab Biessenhofen, so die Zähler, müssten viele Schüler in den Gängen stehen. Ein Problem sehen sie in den sperrigen Rucksäcken und Musikinstrumenten, die viele Schüler im Zug mitführen müssen. 'Um alle unterzubringen, müssen wir die Kleinen ins Gepäcknetz stecken', scherzte einer. 'Wie bequem es im Zug ist, ist wohl eher zweitrangig. Es geht ja nur um ein paar Minuten. Ziel muss aber sein, dass niemand stehen bleibt', gab Landrat Johann Fleschhut die Devise für die Zukunft aus. Alle Versuche, mehr Waggons oder einen zusätzlichen Bus einzusetzen schlugen fehl. Nun müsse man akzeptieren, dass der Platz ausreichend ist.

Schülerzahl bleibt fast gleich Fleschhut berichtete über ein Gespräch mit Elternbeiräten und Schulleitern, in dem die Perspektiven für das nächste Schuljahr aufgezeigt wurden: Demnach wird sich die Zahl der Zug-Schüler ab Herbst kaum verändern. Um alle Schüler sicher im Zug unter zu kriegen, soll ein Ordnerdienst eingerichtet werden. Anfang des Schuljahres werden ältere Schüler bestimmt, die darauf achten, dass der Platz richtig ausgenutzt wird. An Eltern, die ihre Kinder an den Bahnsteig bringen, appellieren die Verantwortlichen, dass sie bis zur Abfahrt bleiben. Sie sollen darauf achten, dass vor allem in Ebenhofen niemand stehen bleibt. Die Bahn soll zudem ihre Lokführer anweisen, alle einsteigen zu lassen. Außerdem will man im Herbst nochmal stichprobenartig zählen. Fleschhut fasste zusammen: Alle Schüler können mit dem Zug zur Schule kommen, zwar nicht in 'bequemer' aber doch in 'zumutbarer Weise'. Einwirken will man auf die Bahn, dass sie den Aufenthalt in der ersten Klasse für Schüler erlaubt. Realschulleiter Hans Dieter Borowczyk bat die Zähler, ihre Erfahrungen auch im neuen Jahr einzubringen. Berufsschulleiter Kirchmaier sagte den Ordnern zu, dass die Schulen hinter ihnen stehen. Falls mit Schülern im Zug Probleme auftreten, werde er einschreiten und die Ordner unterstützen. Auch Leonhard Reichhart (Hauptschule) sowie Dr. Lorenz Deuringer (Gymnasium) begrüßten die Idee, dass ältere Schüler Verantwortung übernehmen. Besonders erwähnt wurde auch das Engagement der Elternbeiräte, stellvertretend der Vorsitzenden vom Gymnasium Ottilie Breiner, die sich stark für eine Verbesserung eingesetzt hatte. Und natürlich wurde den Schülern gedankt: Ihnen spendiert der Landrat für ihren Einsatz noch eine Brotzeit.

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