Yolk: Spielfreude statt Schubladen

Buchloe - 'The Times, they are changing' - fast verdächtig oft tauchte diese Zeile, ursprünglich von Bob Dylan stammend, mehr oder weniger abgewandelt im jüngsten Konzert des sechsköpfigen Ensembles 'Yolk' im Buchloer Kolpinghaus auf. Ob mit diesem Motto auch auf diverse Zeitgeist- und Reformdebatten abgezielt wurde, sei dahingestellt. Eines hat sich bei den Musikern aus Jengen, Buchloe und Weinhausen glücklicherweise jedoch nicht geändert: Man singt, was einem gefällt, und lässt sich nicht in irgendwelche Schubladen stecken. Heraus kam, wie schon bei früheren Konzerten, ein - diesmal vor allem geographisch - reizvoller musikalischer Rundumschlag. Nach dem leicht angerauten Einstieg mit Bob Dylan stand zunächst Kuba auf dem musikalischen Fahrplan: 'Chan Chan' des 'Buena Vista Social Club', sprachlich und rhythmisch durchaus anspruchsvoll, kam dicht und mit einnehmender Melancholie gewürzt über die Rampe. Die gelungene jamaikanisch-afrikanische Melange 'Redemption Song', augenzwinkernd als Glückwunsch zum Stadtjubiläum und Ausblick auf die nächsten 50 Jahre gemeint, thematisiert neben den auch hier zu findenden 'sich ändernden Zeiten' vor allem das Thema Freiheit. Als einen nicht ganz ernst gemeinten Beitrag zum aktuellen 'Sommer'-Wetter wollte man 'Autumn Leaves' verstanden wissen: Bezeichnenderweise nahmen die Musiker dabei die coolen Sonnenbrillen ab.

Interessante Eigenkomposition Interessant war 'Sospirar del mar', eine Eigenkomposition von Ensembleleiter Karl Huber. Mit sparsamen musikalischen Mitteln und einem trotz seiner Sprödheit einprägsamen Leitmotiv wurde ein fast meditativer Gesamteindruck erzielt. Die Rezitation der letzten Botschaft der Astronautin Laurel Clark an ihre Familie, in der sie von der Schönheit der Erde beim Blick aus dem Space-Shuttle-Fenster berichtet, ehe sie einen Tag später beim missglückten Landeanflug umkommt, hinterließ einen starken Eindruck. Am Schluss der Komposition wurde man dann mit dem atmenden Rhythmus des Meeresrauschens wieder zum eigentlichen Titel des Werkes zurückgeführt. Einen Ausflug in oberbayrische Dialektgefilde machte man anschließend mit 'Stairway to Heaven' in einer recht eigenwilligen Version als 'Loada in Himmi nei'. Das deftige Arrangement stammt ebenfalls aus der Feder von Karl Huber. Schade, dass schon rein akustisch nicht alle Feinheiten beim Zuhörer ankamen. Mit 'Memory' aus 'Cats' hatte sich die beeindruckende 'Röhre' von Sängerin Lisa Meier endgültig warm gesungen. Bei 'Always look at the bright side of Life' schickten die Musiker das Publikum beschwingt und improvisationsfreudig in die Pause. Auch der zweite Konzertteil hatte noch reichlich Höhepunkte zu bieten: Gut aufeinander eingestellt und zündend eröffnete 'Yolk' die zweite Runde mit 'We had a good time together'. Den Beatles-Titel 'Ticket to Ride' kündigte die Gruppe als eine Art Hommage an die Bundesbahn an. Marianne Mayer als Solistin gefiel hier in der Carpenters-Version mit warmen Timbre und Textverständlichkeit. Lisa Meier ging dann 'Californiacation' von den 'Red Hot Chili Peppers' jazzig-herb und sinnlich-tragend an. Eine gelungene Überleitung zu einem fetzigen Rock-'n'-Roll-Medley als Abschluss des offiziellen Programms war 'Nautilus', eine Instrumental-Nummer von Willy Astor. In der musikalischen Nachspielzeit gab es 'Afrika' von 'Toto' (unter Beteiligung von Schlagwerk-Nachwuchsspielern), 'Nothing else matters' von 'Metallica' und schließlich den 'Eagles'-Klassiker 'Hotel California' zu hören. Lucia Buch

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