Wollen schnell Klarheit für Mitarbeiter

Lindenberg | pem | Die Firma Liebherr-Aerospace hat angekündigt, ihre Klimasparte nach Toulouse (Frankreich) zu verlegen. Die festen Liebherr-Mitarbeiter sollen am Standort Lindenberg bleiben können. Die Heimatzeitung hat darüber mit dem Betriebsratsvorsitzenden Herbert Wellenberger und seinem Stellvertreter Herbert Barth gesprochen.

Wie ist die Stimmung bei den Mitarbeitern?

Herbert Wellenberger: Teilweise sind die Mitarbeiter niedergeschlagen, weil sie aufgrund ihrer Kenntnisse gedacht haben, die Konzentration rechnet sich nicht und wird deshalb nicht erfolgen. Teils sind sie auch massiv verunsichert. Das wird auch so bleiben, bis jeder Einzelne konkret weiß, was aus ihm wird. Wir spüren zudem, dass sich vor allem junge Kollegen umorientieren. Das kann niemanden verwundern - die Klimatechnik von Liebherr genießt einen hervorragenden Ruf und der Arbeitsmarkt ist günstig. Was positiv gewertet wird ist die Aussage von Francis Niss (Präsident der Liebherr-Aerospace SAS, die Redaktion), dass jeder bleiben kann.

Wie beurteilen Sie die Entscheidung für eine Verlagerung?

Wellenberger: Wir müssen die Entscheidung schlucken, auch wenn wir sie nicht gut finden. Für die Aerospace-Sparte kann die Konzentration möglicherweise ein Vorteil sein, für den Standort Lindenberg ist sie es sicher nicht. Wir kennen auch die Analyse nicht, die der Entscheidung zu Grunde liegt. Auf diese Zahlen warten wir noch.

Worum geht es dem Betriebsrat jetzt?

Wellenberger: Für uns geht es darum, das Bestmögliche für die Mitarbeiter zu erreichen. Wir haben von Francis Niss drei zentrale Aussagen gehört: Jeder Mitarbeiter hat von ihm persönlich eine Arbeitsplatzgarantie erhalten, die bisherige Entlohnung wird gesichert und die neuen Tätigkeiten, die die Mitarbeiter angeboten bekommen, werden das gleiche Niveau haben wie die bisherigen. Diese Aussagen wollen wir unterschrieben haben. Dann können wir den Interessensausgleich für die Mitarbeiter zügig angehen.

Durch die Verlagerung der wirtschaftlich starken Klimasparte wächst der Druck auf die verbleibenden Standbeine Fahrwerke und Betätigungssysteme, hat der Betriebsrat befürchtet. Jetzt bleibt der Kundendienst, der für das Gros der Gewinne sorgt, in Lindenberg. Das müsste Sie eigentlich beruhigen.

Herbert Barth: Das ist für uns ein Grund, weshalb die Entscheidung nicht ganz so negativ aussieht. Wir fragen uns aber, was langfristig ist. Wenn in Toulouse die komplette Entwicklung konzentriert ist und die Serie läuft, dann werden irgendwann auch die Reparaturen dort landen. Zwar nicht heute und nicht morgen, aber langfristig.

Sie gehen trotz der Zusage der Geschäftsleitung davon aus, dass die Verlagerung Arbeitsplätze kostet. Warum?

Barth: Die Zusicherung gilt für die Liebherr-Mitarbeiter. Die Verlagerung wird aber sicher Arbeitsplätze kosten, weil Verträge im Bereich Arbeitnehmerüberlassungen nicht verlängert werden. Das sind zwar keine festen Liebherr-Mitarbeiter, aber in unseren Augen auch Arbeitnehmer und Bürger von Lindenberg, Weiler oder Scheidegg.

In welchem Zeitraum rechnen Sie denn mit der Verlagerung?

Wellenberger: Es ist immer von zwei, bis drei Jahren die Rede. Wir gehen davon aus, dass es schneller gehen wird, weil solche Prozesse eine Eigendynamik entwickeln. Am Anfang erwarten wir eher Mehrarbeit, weil zu dem Tagesgeschäft die Abwicklung der Sparte dazukommt, dann wird es drastisch weniger. Wann dann letztlich jemand das Licht ganz ausmacht, ist noch unklar, genauso wieviele Mitarbeiter, wann betroffen sind. Die Betroffenen brauchen dazu möglichst bald Klarheit.

Die Geschäftsführung beteuert, der Standort Lindenberg ist sicher und verweist in dem Zusammenhang auf Millionen-Investitionen in den Vorjahren und heuer.

Barth: Die Investitionen beruhigen mich nicht mehr so, wie sie es früher einmal getan haben. Auch in den Klimabereich ist viel Geld investiert worden, und jetzt wird er doch verlagert. Die ganze Luftfahrtbranche ist in Bewegung, Verlagerung in Billiglohnländern ein Thema. Da macht man sich natürlich auch Gedanken über den Standort Lindenberg.

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