Wohnzimmer für Jung und Alt

Memmingen | syr | Nebenan blubbert die Kaffeemaschine und es wird Salat gehobelt. Auf der Speisekarte im Mehrgenerationenhaus (MGH) stehen Pizza, Hähnchenspieße und Suppe. Jeder kann sich seinen eigenen Eintopf zusammenstellen, die Auswahl reicht von Rosenkohl über Nudeln bis hin zu Würstchen. Wer isst, wirft eine Spende in die Glasbox neben den Faltblättern sozialer Organisationen. Eine Tür weiter lernen ältere Menschen, wie man E-Mails verschickt und junge können im Internet stöbern. In einer gemütlichen Schmöker-Ecke liegen Zeitungen und Hefte.

'Wir sind ein offenes Wohnzimmer. Keine Riesengeschichte, sondern ein intimer Raum', betont Peter Scharl, Vorsitzender des MHG-Trägervereins 'Licht-Talente'. Zum Mittagessen kommen täglich bis zu 15 Personen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Menschen, die sich im Rahmen der Organisierten Nachbarschaftshilfe engagieren.

Möglichkeiten ausloten

'Leute von der Straße kommen noch zu wenige. Wir sind zwar schon letzten Mai gestartet, aber man muss ganz ehrlich sagen, wir sind noch in der Anfangsphase', zieht Scharl nach einem Dreivierteljahr MGH Bilanz. 'Wir begreifen uns hauptsächlich als Netzwerkknoten und sind immer noch dabei, soziale Institutionen einzuladen und abzuklopfen, was wir miteinander tun können.' Laut Scharl werden jetzt zum Beispiel die Möglichkeiten mit der Diakonie ausgelotet.

Auch etwas eng ist es im MGH noch. Der eigentlich für Herbst geplant Umbau - alles soll geräumiger und behindertengerecht werden - verzögert sich weiter. In der Pfaffengasse 10 dagegen sind die Arbeiten in vollem Gange. Ab 1. März wird hier die Samstags-Kinderbetreuung der Perspektive Memmingen (10 bis 14 Uhr) stattfinden. Parallel dazu will das MGH einen 'Wichtel-Club' nach einem Berliner Vorbild einführen. Geplant ist, dass Pflegemütter Kinder zwischen neun Monaten und 12 Jahren auch zu 'unüblichen Zeiten', also abends oder früh morgens, betreuen.

Genutzt wird das Haupthaus in der Zangmeisterstraße vom Keller bis zum Dachboden. Unterm Giebel stapelt sich im 'Schenk-Dachboden' alles, was Bürgern zum Wegwerfen zu schade war. Im Keller gibt es Arbeitsflächen zum Basteln, Werkzeuge, Kühlgeräte und eine Bar für Feiern. Als Proberaum dient er nun aber nicht mehr. 'Eine Heavy-Metal-Band hat anständig abgerockt, das war den Nachbarn zu laut', bedauert Scharl.

Was in der Memminger Einrichtung alles geboten ist, hat das vom Bundesfamilienministerium als 'Leuchtturmhaus' ausgezeichnete Projekt jetzt 24 Vertretern aus dem südlichen Bayern und Baden-Württemberg vorgestellt. Ziel sei es, so Scharl, die einzelnen Häuser regional zu vernetzen. Daneben hat das Memminger MGH, eines von zwölf Vorzeigehäusern in Deutschland, schon weitere Pläne. So soll die kleine Grünfläche hinter dem Gebäude als Garten-Café angelegt werden und - wenn es die Finanzen zu lassen - möchte die Einrichtung zwei weitere Häuser in der Pfaffengasse erwerben.

Weitere Informationen beim MGH unter Telefon (08331) 984210.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019