Wo Solarstrom als Luxus gilt und Korruption den Alltag erschwert

Von Michaela Behr | Oberstdorf Mal bedeutet seine Arbeit Abenteuer, mal ist sie einfach nur ein Job. Doch immer weiß Stefan Hageneier, dass ein Sinn dahinter steht: Der gebürtige Oberstdorfer arbeitet als Pilot und technischer Missionar in Kenia und dem Süd-Sudan. Sein Arbeitgeber ist die Liebenzeller Mission. Seine Aufträge in Afrika erhält der 31-Jährige von 'Mission Aviation Fellowship' (MAF) - einem weltweit tätigen, spendenfinanzierten Flug-Unternehmen, das Missions- und Hilfswerken eine fliegerische Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Hageneiers Arbeit besteht darin, Passagiere und Güter für Hilfsorganisationen vor allem in den Norden Kenias und in den Süd-Sudan zu fliegen. Es sind Pastoren, die er zu Missionsstationen bringt, oder Ärzte, die er in Seuchengebiete fliegt. Er transportiert Material für Brunnenbau und Landwirtschaftsprojekte oder bringt Lebensmittel in Krisengebiete. 'Wie viel man von den Projekten mitbekommt, hängt davon ab, wie viel man nachfragt', erzählt der Pilot. Wenn er Besucher aus dem Ausland fliegt, erhält er die Chance, die Projekte selbst zu besichtigen.

Mit seiner Familie wohnte Hageneier zunächst in der Hauptstadt Nairobi. 'Ich war überrascht, wie modern das Leben dort ist', erzählt er. Erst mit dem Umzug nach Lokichoggio, einer Grenzstadt zwischen Kenia und dem Süd-Sudan, habe er das kennengelernt, was man sich unter afrikanischem Busch vorstellt. Frische Lebensmittel gebe es selten, Gemüse werde zwei Tage lang ungekühlt herangebracht. 'Wir hatten Solarstrom, das ist Luxus. Trotzdem lebt man viel bewusster.' Vor der Geburt des dritten Kindes zog die Familie zurück nach Nairobi.

Gefährlich sei seine Arbeit eigentlich nicht - zumindest bislang nicht, sagt er. Seit dem 1. Dezember ist die Familie auf Besuch in Deutschland. Von den Unruhen in Kenia hat Hageneier nur übers Fernsehen und von Kollegen erfahren. Bis er am 19. März zurück nach Kenia fliegt, hofft er, dass sich die Situation beruhigt hat. 'Trotzdem wird viel Versöhnungsarbeit zu leisten sein', sagt der Pilot. Er arbeite mit kenianischen Mitarbeitern verschiedener Stämme zusammen. 'Bisher war das Miteinander sehr gut - jeder weiß, wer zu welchem Stamm gehört, aber man hat sich akzeptiert.'

Andere Faktoren sind es, die das Leben im afrikanischen Staat bisweilen erschweren, allen voran Korruption und der bürokratische Sumpf. 'Wenn man von einem Polizisten beim Autofahren angehalten wird, ist es am einfachsten, gleich Geld zu geben - der offizielle Weg raubt viel Zeit und Nerven', sagt Hageneier. Um als Pilot auf den Flugplatz zu dürfen, habe er ein polizeiliches Führungszeugnis gebraucht. Dazu musste er seine Fingerabdrücke abgeben - das kostete einen kompletten Tag.

Dennoch liebt Hageneier seine Arbeit: Weil Kenia ein wunderschönes Land ist. Und weil er weiß, dass er Gutes tut.

Vortrag: Stefan Hageneier wird am Mittwoch, 16. Januar, um 20 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus über seine Arbeit in Afrika berichten und Bilder sowie einen Film zeigen. Er wird zudem einen politischen Überblick über die aktuelle Situation im Süd-Sudan geben.

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