Witziger Wanderer zwischen den Welten

Von Barbara Hell Immenstadt Seine khaki-farbene Hose und das Tarnmuster seines T-Shirts sind in: Sieht man jetzt jeden Tag in den Nachrichten. Rabenschwarz ist der Humor des türkischen Niederbayern Django Asül, wenn er nicht gerade zwischen Tief- und Flachgang hin- und herpendelt. Hardliner heißt sein neues Programm, das er im Immenstädter Hofgarten vorstellt. Und der Charme, der Sprachwitz, die Scharfsinnigkeit und die Ironie, mit denen Django seine harte Linie gegen Gewalt und Dummheit verficht, wirft das Publikum glatt um. Ein Weizenglas voller Wasser ist das einzige Requisit, das der beredte Kabarettist braucht. Ansonsten kann er sich getrost auf seine Schlagfertigkeit, seine wachen Augen und seine pointierte Mimik verlassen. Und natürlich auf seinen niederbayerischen Dialekt einerseits und das türkische Radebrechen auf Deutsch andererseits: Das bruchlose Hüpfen zwischen den beiden Ausdrucksformen allein lässt schon schmunzeln. Geschickt spielt er auch mit den Inhalten der zwei Kulturen, die er durch seine Biographie verkörpert: Er kontrastiert niederbayerische Stammtisch-Parolen mit türkischen Macho-Allüren, macht sich lustig über deutsche Weichei-Psychologie und orientalische Hardliner-Erziehungsmethoden, nimmt Vorurteile der Deutschen über die türkische Familie ebenso aufs Korn wie andersherum. Der rasante Wechsel funktioniert auch bei den Formen des gewählten Humors: Django kommt unversehens tiefschwarz daher, dann wohl dosiert auch mal platt, er denkt logisch und ironisch, kann bitterböse sein und schlägt hemmungs- und tabulos auch dort zu, wo sichs die meisten deutschen Kabarettisten sicherheitshalber verkneifen, wenn er zum Beispiel auch Friedman und Israel scharf kritisiert.

Seine größte Gabe ist die Fähigkeit, fürs Quer- und Logisch-Denken umwerfende Wortbilder zu finden. Seine Definition für amerikanische Falken, der Begriff für politisch rechte Hardliner: Das sind keine normalen Falken, denn die haben ein Spatzenhirn und nur rechts einen Flügel. Angela Merkel muss es sich gefallen lassen, dass ihr Gesicht als das eines Bernhardiners mit Kreislaufschwäche belacht wird. Und seinem ungeliebten deutschen Möchtegern-Schwager mit der Ausstrahlung eines kaputten Leitz-Ordners verspricht er das Lebensgefühl eines Israeli, der mit der Schweinshaxe in der Hand auf dem Marktplatz in Teheran steht. Wer bei solch originellen Vergleichen nicht lachen kann, hat ein ernstes Problem. Den Zuschauern im wohl gefüllten Hofgartensaal aber gehts gut und sie lachen und klatschen am laufenden Band. Schließlich hat Django Asül auch von der ersten Minute an für einen guten Draht zum Publikum gesorgt und nimmt sogar noch die Pause dazu her, sich von Einheimischen mit Lokalkolorit versorgen zu lassen: Wer mit dem Wort Internet nichts anfangen kann, der schaut drein wie einer von Oberjoch. Und dass jemand aus Leutkirch das Gymnasium besuchen kann, das wird mir in München keiner glauben. Weil Django damit nicht die Oberjocher oder Leutkircher, sondern wie im gesamten Programm - das Schubladendenken und die Dummheit an sich auf die Schippe nimmt, kommen solche Anspielungen nicht platt oder anbiedernd an, sondern sind schlicht zum Lachen. Ein Lachen, das zum ernsthaften Nachdenken animiert.

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