Wir sind ja kein Altpapier-Lager

Memmingen (maj). - 'Erst vor kurzem haben wir zum Beispiel 150 neuwertige Kochbücher von einer Frau erhalten, deren Augenlicht stark nachgelassen hatte', sagt Franz Schneider, Leiter der Memminger Stadtbibliothek. Weil sie also nicht mehr richtig lesen könne, habe sich die Frau entschlossen, die Fachbücher der Bibliothek zu schenken. Zur großen Freude von Schneider und seinem Team. Denn mit derartigen Sachspenden kann die Stadtbibliothek immer etwas Sinnvolles anfangen. Gerade in Großstädten leiden zahlreiche Kollegen von Franz Schneider zurzeit unter den leeren Kommunal-Kassen. Mancherorts werden Stadtbüchereien aus finanziellen Gründen geschlossen, anderswo müssen Bibliothekare starke Kürzungen ihrer Etats hinnehmen. 'Davon sind wir glücklicherweise nicht betroffen, bei uns ist es nicht so dramatisch wie in so mancher deutschen Großstadt', freut sich Schneider. Deswegen ist er auch nicht gezwungen, immer mehr private Sponsorenquellen zu erschließen, aus denen Geld in die leere Bibliotheks-Kasse fließt. Sachspenden sind aber für Schneider immer ein Thema. 'Wir erhalten jährlich unaufgefordert mehrere tausend Bücher. Etwa 300 bis 400 davon können wir gut gebrauchen', berichtet er. Die einen misten ihren Dachboden aus, andere gehen ins Altenheim und wollen dabei ihre nicht mehr benötigten Bücher nicht einfach wegschmeißen. Es gebe aber auch Bücherfreunde, die vierteljährlich einen Stapel Taschenbücher im Antonierhaus vorbei bringen. Zitat Da gibt es zum Teil richtige Horrorszenarien.

} Franz Schneider, Leiter der Stadtbibliothek, über Einsparungen im Bücherei-Sektor 'Manchmal sind da richtige Perlen dabei', weiß der Leiter der Stadtbibliothek, 'erst neulich haben wir ein Buch mit alten Ansichten von Memmingen bekommen. Das war wirklich ein tolles Geschenk'. Pro Woche rufen laut Schneider durchschnittlich zwei bis drei Interessenten in der Bücherei an und fragen nach, ob sie Bücher abliefern dürfen. 'Bei diesen Anfragen sagen wir ganz klar, dass wir uns vorbehalten, was mit den Büchern geschieht. Denn wir sind ja schließlich kein Altpapier-Lager, sondern wollen modern und attraktiv sein', streicht der Diplom-Bibliothekar heraus. Jede Bücher-Spende werde geschätzt und gewürdigt. Aber nicht mehr alle seien tatsächlich für eine öffentliche Bibliothek zu gebrauchen. Und solche Bücher bekämen dann Jugendgruppen, die sich ein paar Euro mit der Altpapier-Entsorgung verdienen könnten. Über ein paar Euro mehr würde sich auch Franz Schneider nicht beklagen. 'Aber finanzielles Sponsoring findet bei uns eigentlich nicht statt', stellt er heraus. Er habe freilich zwei Mal Firmen-Spenden in vierstelliger Höhe erhalten. Aber das sei viele Jahre her. Aktiv Sponsorengelder eintreiben könne die Stadtbücherei nicht. Denn dafür fehle schlichtweg das Personal. Deswegen mache es auch keinen Sinn, einen Förderverein zu gründen. 'Denn dessen Betreuung könnten wir personell ebenfalls nicht bewerkstelligen', räumt Franz Schneider ein. Siehe Auch Kultur, Seite 39 i Die Stadtbibliothek ist unter Telefon (08331) 850-156 zu erreichen.

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