Wir lassen uns nicht einsparen

Memmingen, (evb). - 'Wir lassen uns nicht einsparen': Unter diesem Motto stand gestern die Kundgebung sozialer Verbände auf dem Memminger Marktplatz. Nach Angaben der Veranstalter haben rund 500 psychisch Kranke, Suchtkranke, Behinderte, deren Angehörige sowie Mitarbeiter verschiedener Einrichtungen gegen Kürzungen im sozialen Bereich und die Einsparungen im Gesundheitswesen protestiert. 'Psychische Störungen sind in unserer Gesellschaft immer weiter verbreitet,' sagte Siegfried Welz-Jörg. Er ist Sprecher des Gemeindepsychiatrischen Verbandes Memmingen/Unterallgäu, der die Kundgebung mit der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft veranstaltete. Rund 30 Prozent der Bevölkerung zählten zur Risikogruppe für psychische Störungen, sagte Welz-Jörg. Er betonte, man wolle durch diese Kundgebung nicht als Gegnerschaft auftreten, sondern darstellen, wie viele Menschen von den Sparmaßnahmen betroffen seien. Nicht nur behinderte und kranke Menschen selbst seien die Leidtragenden politischer Entscheidungen, sondern auch deren Angehörige und Betreuer, betonte Wolfgang Beuchel von den Unterallgäuer Werkstätten. Bezirkstags-Vizepräsident Alfons Weber (Markt Rettenbach) rechtfertigte dagegen die Kürzungen: 'Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben.' Gleichzeitig betonte er aber: 'Der Bezirk Schwaben ist und bleibt Partner der Behinderten.' Er vermisse auf dieser Veranstaltung Vertreter von Bund und Land, monierte Weber.

'Es geht um Menschen' Die Kundgebung richte sich keinesfalls gegen den Bezirk Schwaben, so Welz-Jörg. Man wolle damit auch eine reibungslose Zusammenarbeit aller Kostenträger erreichen und zu einer Einigung über Zuständigkeiten gelangen. Bei der Betreuung Behinderter müsse der einzelne Betroffene im Vordergrund stehen. Doch durch die Kürzungen seien individuelle Hilfen gestrichen worden. Psychiater Dr. Helmut Maimer hob hervor: 'Es geht hier um Menschen, nicht um Fälle.' Unter den 13 Rednern bei der gestrigen Kundgebung waren auch einige direkt Betroffene. Ein Patient, der an einer psychischen Erkrankung leidet, bezeichnete soziale Einrichtungen als 'Orte der Begegnung', wo er Akzeptanz erfahre. 'Der Staat hat die Aufgabe, uns fürsorglich zu behandeln. Das ist im Grundgesetz verankert,' betonte er. Eine weitere Betroffene kritisierte die 'umständlichen Anträge', die man zum Beispiel für Kleidergeld stellen müsse. 'Wenn ich etwas sehe, was mir gefällt, ist es verkauft, bis ich das Geld beantragt habe.' Lautstark begleitet wurde die Kundgebung von der Trommelgruppe 'Sambasutra', zu der psychisch Kranke wie auch Mitarbeiter der Bezirkskrankenhäuser Memmingen und Kempten gehören.

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