Kaufbeuren / Ostallgäu
«Wir haben versucht, jede Minute zu nutzen»

Zufrieden sitzt Ronja auf Papas Schoß und spielt mit ihrem Schnuller. Sie brabbelt und gluckst fröhlich vor sich hin. Ein richtig kleiner Sonnenschein. Zwischendurch streckt sie ihre Ärmchen der Mama entgegen. Beißt (noch ohne Zähnchen) in den Finger. Jetzt muss sich die achteinhalb Monate alte Tochter von Daniel Keppeler (26) und Verena Schmitz (27) wieder umstellen. Ein halbes Jahr lang teilte sich das Paar die Kinderbetreuung.

Sechs Monate lang - von Mitte Juni bis Mitte Dezember 2009 - war der gebürtige Blöcktacher zu Hause, ging stundenlang mit Ronja rund um Buchloe spazieren, wickelte sie, spielte und kuschelte mit ihr oder nahm sie auf den Arm, wenn sie traurig war.

Seit etwa sechs Wochen ist Keppelers Elternzeit (siehe Info-Kasten) vorbei. «Am ersten Arbeitstag nach der langen Pause bin ich heimgekommen und habe gesagt: Komm, wir machen noch ein Baby», erzählt der 26-Jährige, der als Industriemechaniker bei der Firma Mayr in Mauerstetten angestellt ist, schmunzelnd. Es sei schon eine Umstellung gewesen, wieder voll zu arbeiten.

«Wir haben während der sechs Monate versucht, jede freie Minute auszunutzen. Ich kann jedem nur empfehlen, das auch in Anspruch zu nehmen.» Besonders schön sei gewesen, dass er miterlebt habe, als sich Ronja zum ersten Mal drehte oder die ersten Krabbelversuche unternahm. «Das geht alles viel zu schnell», sagt der junge Vater.

Im Sommer war die Familie viel im Freibad, hat Ausflüge in die Berge oder in den Zoo unternommen und war sogar eine Woche mit dem Wohnmobil in Italien. «Es ist schön, wenn man bei Ausflügen nicht aufs Wochenende angewiesen ist», sagt der Industriemechaniker. Und auch Verena Schmitz sieht nur Vorteile: «Ich konnte auch einmal spontan zum Friseur gehen. Und ich musste nicht immer Ronja anziehen und mitnehmen, wenn ich unsere zweite Tochter Lena in den Kindergarten gebracht oder sie wieder abgeholt habe.

» Selbst für das große Hobby des 26-Jährigen, Motorradfahren, blieb Zeit. Und in der Buchloer BRK-Bereitschaft übernahm er die eine oder andere Urlaubs- und Krankheitsvertretung. Zeit, die normalerweise nicht da gewesen oder zu Lasten der Freizeit gegangen wäre.

Absolut keine Probleme habe es mit seinem Arbeitgeber gegeben. Nach zwei Vorgesprächen mit dem Chef sei klar gewesen, dass er sechs Monate zu Hause bleiben kann. Die Reaktionen im Bekannten- und Kollegenkreis waren unterschiedlich. «Ein paar haben das überhaupt nicht verstanden, dass ich so lange zu Hause bleibe, und meinten, sie würden das nicht aushalten», erzählt der Hobbytheaterspieler, der schon mehrmals in Eggenthal auf der Bühne stand. Andere wiederum seien neidisch gewesen.

Als Ronjas ältere Schwester Lena 2006 auf die Welt kam, hat es die Vätermonate noch nicht gegeben. «Damals hatte Daniel nach der Geburt nur drei Wochen Urlaub», erinnert sich Verena Schmitz. Sie sieht die Elternzeit als tolle Chance: «Männer müssen doch meistens von der Ausbildung bis zur Rente durcharbeiten. Die Elternzeit gibt ihnen die Gelegenheit, auch einmal ein bisschen länger zu Hause zu bleiben.» Auch Lena, die seit September in den Don-Bosco-Kindergarten geht, hat davon profitiert, dass ihr Papa nicht in die Arbeit musste. Im Garten vor dem neu gebauten Haus im Buchloer Westen steht jetzt ein großes Baumhaus. Auch sie hat die Zeit sehr genossen und fragt derzeit tagsüber oft nach dem Papa. Die jungen Eltern sind sich einig: Die sechs Monate sind viel zu schnell vergangen. Und sollten sie irgendwann noch ein Kind bekommen, wird Daniel Keppeler sicherlich wieder ein paar Monate Auszeit nehmen und sich um die Familie kümmern.

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