Kempten
«Wir fühlen uns total überfahren»

Große Wogen schlägt in Kempten die Zusammenlegung der katholischen Pfarrgemeinden zu drei neuen Blöcken. Weil Priester und hauptamtliche Laien sowie Geld fehlen, plant Dekan Dr. Michael Lechner eine «personelle und finanzielle Anpassung» der Pfarreien (wir berichteten). Doch die fühlen sich teilweise nur unzureichend unterrichtet. Kirchenpfleger Willibald Herz von der Pfarrei Christi Himmelfahrt lud zu einer Sondersitzung heute Abend ein: «Wir fühlen uns total überfahren.»

Lechner hatte zusammen mit der Diözesanleitung eine Bestandsaufnahme für die Kemptener Kirchen gemacht und formuliert: «Manche Kirche hatte für eine bestimmte Zeit große Bedeutung. Bis 2015 kann aber nicht jede Pfarrei in der heutigen Rechtsform fortbestehen.» Konkret meinte er damit den Abbruch der Kirche Christi Himmelfahrt und die Integration des Klosters St. Anton in die Seelsorgeeinheit Mitte.

Kirchenpfleger Herz, der seit 20 Jahren ehrenamtlich in Christi Himmelfahrt tätig ist, kennt die Baumängel: Bereits vor einem Jahr wurde eine Treppe provisorisch abgestützt und kaputte Glasscheiben durch Sperrholzplatten ersetzt. Für eine energetische Sanierung und Renovierung wurden im vergangenen Sommer zwei Millionen Euro veranschlagt. «Nach den großen Ferien wollte man mir Bescheid geben, aber ich warte heute noch auf Antwort vom Diözesanbauamt», kritisiert Herz heftig.

Vielmehr habe er aus der Zeitung erfahren, dass Stadtpfarrer Jan Bloch im Sommer in Ruhestand gehen soll: «Uns hat Pater Jan erklärt, dass er über seinen 70. Geburtstag hinaus als Stadtpfarrer tätig sein will.» Herz gibt sich kämpferisch und bietet seine Kirche als Jugendkirche an: «Unsere offene Bauwiese bietet viel Spielraum.»

Doch Dekan Lechner stellt sich die benachbarte Pfarrei St. Ulrich auf dem Lindenberg als Zentrum der kirchlichen Jugendarbeit vor. Dort sollten künftig Pfadfinder, Katholische Jugend, Landjugend und Kolping zentral für ganz Kempten zusammengefasst werden. Doch Steffen Colditz, Sprecher des Pfarrgemeinderats St. Ulrich meint: «Wir haben zwar Gruppenräume, aber nicht in der Menge und Qualität, wie sie für so eine Aufgabe notwendig wären.

» Er stellt offen in Frage, ob sich Jugendverbände aus anderen Stadtteilen auf dem Lindenberg heimisch fühlen werden. Außerdem verstehe sich die Pfarrei als Mittelpunkt des Stadtteils Lindenberg und Bühl. Und das wolle sich auch bleiben.

St. Franziskus soll ab 1. September zur Pfarreiengemeinschaft St.Michael-St.Hedwig-Heiligkreuz gehören. Der geplante Abschied von Pfarrer Bernhard Ott im April und die Aufgabe der Selbstständigkeit sorgte zunächst für Betroffenheit, so Kirchenpfleger Hans Ach. Doch jetzt sei Ruhe eingekehrt: «Franziskus ist eine offene und der Ökumene zugewandte Pfarrei und da ist St. Hedwig unser Wunschkandidat.»

In St. Hedwig habe Pfarrer Rupert Ebbers die Gremien «vorbildlich informiert», betont Pfarrgemeinderatsvorsitzender Rudolf Daltrozzo. Er sieht die Pfarreiengemeinschaft-West als richtigen Schritt an: «Für uns Gläubige ist das ein Aufruf, die Veränderungen in der eigenen Pfarrei anzunehmen und mitzutragen. Außerdem können wir jetzt noch unsere Ruhestandspfarrer in der Seelsorge mit einsetzen.» Mit Blick auf den Priestermangel müsse die Pfarreiengemeinschaft aber neue Wege gehen: «Aus unserer Mitte werden bereits Mitglieder für Wortgottesdienstfeiern ausgebildet.»

Dagegen sind die Karten in der Klosterkirche St. Anton noch längst nicht gemischt. Kirchenpfleger Siegfried Haggenmüller meint zum Thema Seelsorgeeinheit Mitte: «Bei uns gehören Kirche, Kloster, Pfarrzentrum und Kindergarten allein der Kirchenstiftung.» In den nächsten Tagen komme der Pater Provinzial der «Gemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens» nach Kempten. Er werde die künftige Besetzung und Stellung des Klosters klären.

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