Winterschlaf auf Höfen? Von wegen

Sulzberg |mr| Essen, schlafen, ein bisschen Stall und ansonsten Sofa-Nordwand? Diese Vorstellung hat mit der Wirklichkeit so viel zu tun wie etwa das Ulmer Münster mit dem Sulzberger See. Ein paar kräftige Steinwürfe von diesem Gewässer entfernt lebt die Landwirtsfamilie Mußack. Dort hat sich die AZ umgehört, um etwas über das bäuerliche Winterleben zu erfahren. Bei der jungen und älteren Generation, denn 2007 war Hofübergabe.

Zumindest während der Woche beträgt die Arbeitszeit von Karlheinz Mußack (32) zwölf Stunden am Tag - die Teilzeitbeschäftigung als Metallbauer eingerechnet. Denn von der Landwirtschaft allein leben immer weniger Bauern. Vormittags ist Karlheinz öfters zu Hause und genießt es, wenn er seiner Frau Renate (34) bei der Betreuung des fünf Monate jungen Sohnes Markus helfen darf. 'Andere Väter gehen früh aus dem Haus und kehren spät wieder zurück. Da kriegen sie von Kleinkindern nicht viel mit', betont Renate und bilanziert ein 'intensiveres Familienleben' auf den Höfen. Ihre Schwiegereltern wohnen ein Stockwerk tiefer und können kurzfristig 'Babysitter' spielen.

Doch zu dieser Familienidylle gesellen sich auch im Winter genügend Herausforderungen. Neben der täglichen Stallarbeit und Futterbereitstellung ist Karlheinz oft tagelang im Wald: Der wird durchforstet, ungesundes oder (im Jungschutz) störendes Holz muss raus. So manchen Schweißtropfen erfordert es, bis Brennholz ofenfertig ist, Weidezaunpfähle abgelängt und gespitzt sind. Natürlich kümmert sich der geschickte Handwerker Karlheinz um die Pflege und Wartung des Maschinenparks. Überhaupt wird im Winter viel gemacht, wozu ein Bauer wegen der Erntearbeit im Sommer gar nicht kommt. Wasserläufe ausräumen ist beispielsweise so eine Tätigkeit.

Oder auch Umbau- und Verschönerungsmaßnahmen im Innern des Anwesens. Tausendsassa Karlheinz hat selber einen Schneepflug 'gebastelt' - denn Hofraum und Zufahrt würden einen 'erheblichen Räumungsaufwand' mit sich bringen, so der Jungbauer. Sein 'eigener Herr' sein und in der freien Natur arbeiten - das zählt für Karlheinz genauso viel wie für seinen Vater Heinz, der wieder Landwirt werden würde, wenn er vor die Frage noch einmal gestellt würde. 'Man hängt ja an der Scholle', unterstreicht der Senior. Zusammen mit seiner Frau Lydia unterstützt er die Jungen. So weit noch möglich, denn über ein halbes Jahrhundert Arbeit auf dem Bauernhof hinterlasse 'gesundheitliche Spuren', gibt Heinz zu bedenken.

Außerdem, so der Zweite Bürgermeister der Marktgemeinde Sulzberg, würden die Landwirte 'viel fürs gute Miteinander im Dorfleben' tun. Heimat gestalten ist für ihn nicht nur auf 27 Hektar Grund und 30 Stück Milchvieh beschränkt. Lydia denkt auch an die 'preisgünstige Landschaftspflege' der Bauern, die im Sommer reichlich Einsatz koste. Da dürfe man im Winter auch mal die eine oder andere Stunde entspannen, schmunzelt die Bäuerin.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019