Kempten
Wie eine kleine Bücherei mit freiwilligen Helfern überlebt

Diese Geschichte beginnt mit einem Ende. Mit dem Ende, vor dem die kleine Stadtteilbücherei Heiligkreuz im Jahr 2003 stand. Im Zuge ihres Sparkurses nämlich wollte die Stadt die Einrichtung schließen. Das aber ließen die Bürger aus Heiligkreuz, Kollerbach, Neuhausen und Hinterbach nicht zu. Und so wird die Bücherei seither ehrenamtlich betrieben, kümmern sich 14 Freiwillige um 330 Leser am nordwestlichen Stadtrand.

Draußen hat sich die Dämmerung herabgesenkt und in dem gut 60 Quadratmeter großen Raum neben der Kirche sind die Lichter angegangen: Donnerstagabends ist Ausleihe. Zweimal die Woche öffnet die Bücherei für insgesamt fünf Stunden. Siegfried Neukamm ist ausnahmsweise da. Normalerweise zieht der Pensionär eher im Verborgenen an den Stricken, die eine ehrenamtliche Bücherei aufrecht halten: Gemeinsam mit Mitstreiterin Heide Lehnert kümmert er sich beispielsweise darum, dass zu den Öffnungszeiten Helfer da sind, dass die Abrechnungen stimmen und die Gelder verteilt werden.

Nebenan gehen ein paar Schüler die Regalreihen auf und ab. Kinder und Jugendliche machen zwei Drittel der Leser aus - und dürfen die Bücherei kostenlos nutzen. Erwachsene Leser zahlen acht Euro im Jahr, sagt Neukamm und zieht im Sitzen die Beine ein, um die Schüler durchzulassen: Es geht eng zu in der Heiligkreuzer Bücherei. 8000 Bücher, CDs, DVDs und Spiele türmen sich in den Regalen. «Eigentlich gilt die Faustregel, dass man für 1000 Medien 30 Quadratmeter Stellfläche braucht», meint Neukamm mit einem Achselzucken. Aber andere Räumlichkeiten gibt es eben nicht.

Nebenan räumt Teresa Schwendinger Kartons aus. Die 13-Jährige absolviert ein Soziales Schuljahr. Das heißt, dass sie über ein halbes Jahr lang mehrere Stunden in der Bücherei hilft. Teresa ist die einzige Jugendliche unter den Bücherei-Ehrenamtlichen. Im Regelfall packen Rentner und Mütter mit an.

Teresa setzt derweil Häkchen: Alle bestellten Bücher sind da. Zweimal im Jahr bekommt Heiligkreuz einen Schwung Medien. Gekauft werden diese beim St. Michaelsbund, sozusagen ein Einkaufsverbund für katholische Büchereien. Denn die Trägerschaft liegt bei der Katholischen Kirchenstiftung.

Und wer entscheidet, was gekauft wird? Das machen auch die Ehrenamtlichen. Ob Bilderbuch, Roman oder Sachbuch - für jeden Bereich gibt es einen Zuständigen, der über sein Budget entscheidet. Rund 2200 Euro gibt es jährlich von der Stadt, die auch Raum, Reinigung, Strom und Telefongrundgebühr zahlt. Dazu kommen gelegentliche Spenden von Firmen. Den Bestand erfassen, Bücher einbinden, putzen, einräumen - all das steuern die Ehrenamtlichen ohne Gegenleistung bei.

Naja, fast. Denn immerhin, meint Neukamm und schmunzelt, müssen die Helfer keinen Jahresbeitrag zahlen. Obwohl sie erwachsen sind.

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