Werte und Sinnfrage in Diskussion

Kaufbeuren(mab). - Eine Analyse zum Thema Wertewandel gab Weihbischof Dr. Anton Losinger bei einem Vortrag, den die Christliche Bildungsinitiative Kaufbeuren im voll besetzten Haus St. Martin veranstaltete. Losinger wies auf die Bedeutung einer Familie, die tatsächlich auch liebevoll und erzieherisch tätig ist, für die Sozialisation von Kindern hin. Des Weiteren klammere die heutige Gesellschaft sowohl in vielen Schulen als auch im Wirtschaftsleben die Sinnfrage des Lebens aus. Hier bestehe ein Defizit. Speziell die Kirche sei eigentlich eine Instanz, die den Menschen Antworten auf die Frage 'Was ist der Sinn des Lebens?' geben könnte. Aber die Position der Kirche sei schwierig. Losinger zitierte dabei eine Geschichte von Kardinal Ratzinger, demnach ein Clown von seinem Zirkusdirektor in ein benachbartes Dorf geschickt wurde, um Hilfe zu holen, weil der Zirkus brannte und zudem ein Übergreifen des Feuers auf das Dorf befürchtet wurde. Der Clown lief in den betreffenden Ort und rief die Menschen zusammen, aber alle hielten die Hilferufe nur für eine gekonnte Show des Clowns, die Menschen in die Manege zu locken. Letztlich verbrannten alle. Auch der Priester werde laut Ratzinger 'in seinen Clownsgewändern aus dem Mittelalter' nicht ernst genommen.

'Wie er sich auch gebärdet und den Ernstfall darzustellen versucht, man weiß immer im voraus schon, dass er eben - ein Clown ist.' Zitat Die Schulen und unser Bildungssystem treten zu kurz, wenn die entscheidendste aller Fragen ausgelassen wird: Die Frage nach dem Sinn unseres Lebens.} Weihbischof Dr. Anton Losinger Kinder hätten heute schon keine Vorstellung davon, was Gut und Böse ist, weil es ihnen im Elternhaus nicht nahe gebracht werde. Habe Alexander Mitscherlich in den 70er Jahren noch den 'Weg in die vaterlose Gesellschaft' postuliert, so gebe es heute das 'flächendeckende Problem' von nicht erziehenden Eltern. Ursache für die Nicht-Erziehung sei in der ohnehin nur noch auf Spaß und Ego ausgerichteten Gesellschaft zu finden, auf die Unbeständigkeit von Ehen und auf der Tatsache, dass Familien mit vielen Kindern kaum finanzierbar seien (Familie als Armutsrisiko), beide Eltern somit arbeiten müssten und damit (letztlich aber unverschuldet) wenig präsent sein könnten. Kritik äußerte Losinger an vielen Schulen. Diese leisteten sicher hervorragende Arbeit, wenn es um die Vermittlung naturwissenschaftlicher, sprachlicher oder auch Computerkompetenzen gehe. Aber die Frage nach dem Sinn des Lebens werde ausgelassen. Hier warb der Weihbischof noch einmal für die Notwendigkeit der Kirchen. Sinn könne aus dem Evangelium heraus begründet werden. Anschließend entspann sich im Haus St. Martin eine rege Diskussion. Diözesangeschäftsführer Udo Süß wies dabei auf die Eigenverantwortung eines jeden Christen hin, anderen Menschen Orientierung zu geben und Wegweiser zu sein.

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