Wertachtal schlägt hohe (Funk-)Wellen

Lamerdingen (ofr). - Wer einen Herzschrittmacher trägt, sollte in den Wiesen und Wäldern westlich von Lamerdingen lieber nicht spazieren gehen, es könnte der letzte Ausflug in die Natur sein. Erst seit wenigen Tagen machen dort Warnschilder auf eine Gefahr aufmerksam, die eigentlich schon seit mehr als drei Jahrzehnten besteht: Rund drei Kilometer westlich der Gemeinde arbeitet einer der stärksten Kurzwellensender der Welt, die Anlage 'Wertachtal' (siehe auch Wortweiser). Wer den neu geschaffenen Sicherheitsabstand zur Sendestation nicht einhält, riskiert wegen der starken elektromagnetische Strahlung einen Ausfall des implantierten Gerätes. Die Warntafeln sind das Ergebnis eines aktuellen Gutachtens, das im Rahmen einer neuen 'Standortbescheinigung' im Zuge einer Erweiterung der Anlage angefertigt wurde. Durch die Verschärfung der gesetzlichen Grenzwerte wurde ein 'standortbezogener Ergänzungsbereich für eine mögliche Beeinflussung auf Herzschrittmacher' festgelegt, wie die neue Sicherheitszone rings um den Sender im Behördendeutsch genannt wird. Bei manchen Einödhöfen beträgt die Entfernung zu dieser Gefahrenzone nur wenige hundert Meter. Innerhalb dieses Bereiches liegt eine zweite, ebenfalls neue und wesentlich enger gefasste Zone um das Anlagenzentrum herum, in der die Strahlung auch völlig Gesunden schaden kann, wenn sie sich dauerhaft dort aufhalten. Grundlage der bereits erteilten 'Standortbescheinigung' (Betriebserlaubnis) ist ein Gutachten der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post - eine Art Kraftfahrtbundesamt für Funkstationen.

Am neuen Genehmigungsverfahren waren unter anderem das bayerische Landesamt für Umweltschutz sowie das Gesundheitsamt und der Bereich Immissionsschutz am Landratsamt Ostallgäu beteiligt. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärten die Fachleute der involvierten Institutionen den Ablauf des Genehmigungsverfahrens - und stießen mit ihrer nachträglichen Info-Veranstaltung auf heftige Kritik aus den Reihen der Zuhörer und des Gemeinderats. Bemängelt wurde vor allem, dass die Gemeinde Lamerdingen und ihre Bürger als Betroffene nicht schon im Vorfeld in den Genehmigungs-Prozess eingebunden wurden - denn sie haben die Anlage Wertachtal vor der Haustür und immer wieder technische Probleme mit der Radiostation. Auch wenn ihr Programm weltweit empfangen werden kann: Die treuesten Hörer hat die Deutsche Welle zweifellos in Lamerdingen, denn dort hören viele die Weltnachrichten auch dann, wenn sie es gar nicht wollen. Am Faxgerät von Gemeinderat Arnold Jaser etwa versuchten sich etliche Techniker, bis die Deutsche Welle nicht mehr zu hören war. So weit ist seine Ratskollegin Helene Schönbach noch nicht. Sobald sie ihren PC einschaltet, gibt es Gratis-Weltnachrichten - aus den Computer-Lautsprechern. Weniger humorvoll nimmt laut Bürgermeister Eberhardt der Maschinenring die allgegenwärtige Deutsche Welle: Der Verband rate seit langem allen Landwirten in Lamerdingen und Umgebung, im Stall auf moderne elektronische Steuerungen (etwa für die Melkmaschinen oder Futterautomaten) komplett zu verzichten. Wer auf Nummer sicher gehen will, verbaut lieber nur 'altes Zeug', das verkrafte die Störsignale von 'Wertachtal' besser. In seinem Resümee betonte Eberhardt, dass die Info-Veranstaltung seine Bedenken hinsichtlich der Sendestation nicht ausräumen konnte. Nun will sich der Lamerdinger Bürgermeister mit anderen Gemeinden darüber abstimmen, wie man weiter vorgehen soll.

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