Wer tanzen will, muss weit fahren

Kaufbeuren | ses | Im Internet ist der Discopark Kaufbeuren noch immer auf der Suche nach Personal. 'In vielen Bereichen', heißt es dort. Interessenten sollten sich telefonisch melden oder persönlich in der Sudetenstraße vorbeikommen. Der Haken: Die Telefonleitungen sind abgestellt, die Türen verschlossen, die Räume leer. Die Betreibergesellschaft, die Sixty-Six-Dance GmbH, hat im Juni des vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet.

Ende November 2006 wurde nach Umbauarbeiten Neueröffnung gefeiert, nur knapp acht Monate später gingen die Lichter schon wieder aus. Und damit schloss die letzte Disco in Kaufbeuren. 'Es war die derzeit einzige offizielle Disco in der Stadt', erklärt Susanne Roßkopf vom städtischen Gewerbeamt. Wo an der Hohen Buchleuthe einst die Diskotheken 'Viva' und 'K7' waren, ist heute ein Fitnessstudio beheimatet. Das 'Life' in der Gutenbergstraße, viele Jahre ein beliebter Treff, machte im Jahr 2000 dicht.

'Es lief schon länger nicht mehr gut. Der Umbau war ein letzter Rettungsversuch', erzählt Hannes Zwetschke. Er legte im Discopark als Diskjockey Musik auf und war für die Werbung zuständig. Besagter Rettungsversuch misslang jedoch - weil nur eine Trennwand entfernt worden war, eine andere einen neuen Anstrich erhielt. Und so blieb doch alles beim alten. Allerdings glaubt er: 'Man hätte den Karren noch aus dem Dreck ziehen können.' Heutzutage komme es auf die Qualität der Unterhaltung an. 'Je spektakulärer, desto besser', sagt Zwetschke.

Die ersten Jahre laufe eine Diskothek gut. Dann gelte: 'Entweder man lässt sich etwas Neues einfallen und investiert viel Geld, oder man schließt den Laden', erklärt er. In Kaufbeuren habe das Geld gefehlt. 'Aber auch an der Professionalität mangelte es', gibt Zwetschke zu. Die umliegende Konkurrenz spiele dabei kaum eine Rolle. 'Es lag am falschen Konzept. Die Leute auf dem Land wollen Party und brauchen dafür keine anspruchsvolle Musik', sagt er.

Die Gerüchteküche brodelt

Auch wenn ständig Gerüchte über eine erneute Eröffnung der Diskothek in der Stadt die Runde machen und in der Sudetenstraße ein Werbebanner prangt, auf dem noch immer in großen Lettern die längst vergangene Neueröffnung angekündigt wird, Zwetschke glaubt nicht daran: 'Das ist gescheitert. Jetzt wird sich hier nichts mehr tun.' Ab wann Lokalitäten offiziell als Diskotheken eingestuft werden, dafür gebe es keine konkreten Anhaltspunkte. Weder die Größe des Raumes noch die zugelassenen Besucherzahlen spielen laut Roßkopf eine Rolle. Es kommt viel mehr auf die Nutzung an. 'Sobald es eine Gastronomie mit Sitzgelegenheiten gibt und die Musik nur im Hintergrund läuft, handelt es sich nicht um eine Diskothek', erklärt Roßkopf. Das gilt selbst dann, wenn die Lokale über Tanzflächen verfügen.

Möglichkeiten, sich im Nachtleben zu amüsieren, gibt es in der Wertachstadt nach wie vor. Etwa Bars, Bistros und Musikkneipen, in denen gelegentlich Live-Bands der verschiedensten Stilrichtungen auftreten. Andere Veranstalter holen in regelmäßigen Abständen die angesagtesten Techno- und Electronic-DJs nach Kaufbeuren. Clubs und Diskotheken sind jedoch Mangelware. Wer zur Musik der DJs tanzen und feiern will, fährt nach Kempten, Landsberg, Augsburg oder gar nach München (siehe Umfrage). Zumal auch der 'Tatort' in der Kaiser-Max-Straße dicht bleibt. Im September 2006 wurde der Club in der Altstadt zum zweiten Mal eröffnet - und wieder überlebte das Lokal nicht lange.

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