Oberallgäu
Wer bekommt das weiße Gold?

Zurück zu den Anfängen und Splitt streuen, heißt es für Bauhofleiter Ludwig Müller aus Burgberg. «Seit Mitte Januar bekommen wir von der Straßenmeisterei Sonthofen schon kein Salz mehr», erzählt Müller. Er bleibt aber gelassen: «Es ist eben Winter.»

Ihm geht es wie seinen Kollegen in den Gemeinden Blaichach und Rettenberg, die alle am «Tropf» der Straßenmeisterei hängen, da sie kein eigenes Salzlager unterhalten. Das Staatliche Bauamt in Kempten musste den «Salzhahn» in Sonthofen zudrehen, da durch die seit Wochen herrschende Wetterlage in Gesamtdeutschland mehr Salz gestreut wurde, als von den Salzproduzenten nachgeliefert werden konnte. Beispielsweise die Südwestdeutschen Salzwerke (SWS) können die zahlreichen kurzfristigen Anfragen aus ganz Deutschland nicht mehr bedienen. Schuld daran sei nicht nur der Wintereinbruch, sondern auch das Bestellverhalten der Kunden, die zu knapp ordern würden, erklärte Harald Müller von der SWS-Winterdienst GmbH. «Bei unseren Großabnehmern werden wir den vertraglichen Pflichten nachkommen und pünktlich liefern», sagt er aber zu.

Großabnehmer wie die Sonthofer Straßenmeisterei, die im Jahr durchschnittlich 10000 Tonnen des «weißen Goldes» auf die Staats-, Bundes-, und Kreisstraßen des Oberallgäus streut, um dem Winterzauber Herr zu werden. Mit noch etwa 700 Tonnen Salz im Vorratsspeicher sind die Streufahrzeuge hier für das Wintersport-Wochenende gewappnet. «Wir verbrauchen diese Menge in etwa fünf Tagen im Oberallgäu mit Landkreis Lindau», lässt Michael Stetter als stellvertretender Leiter in Sonthofen wissen. Um «schwarze» Fahrbahnen gewährleisten zu können, muss bei Stetter jeden Werktag ein Lastzug Salz vom Produzenten anrollen. Doch wenn es weiter im gesamten Bundesgebiet so wie in den letzten Tagen schneie, glaube er nicht mehr daran, versorgt zu werden. Seiner Meinung nach werde es schneebedeckte Straßen geben.

«Die Bürger haben oft den Eindruck, dass wir zu viel streuen. Das trifft aber nicht zu. Wir streuen vorausschauend», erklärte der Leiter des Staatlichen Bauamtes Kempten, Bruno Fischle, gestern bei einem Besuch in der Straßenmeisterei Sonthofen. Fischle bestätigte, dass die «Pufferlager» leer seien. Deshalb könne man die Gemeinden nicht mehr beliefern. Für die Allgäuer sei es ein ganz normaler Winter, es gebe nur eine Besonderheit: die Situation bei den Salzproduzenten. «Wir leben von der Hand in den Mund», kommentierte Fischle die Lieferschwierigkeiten.

Neben den drei «salzlosen» Gemeinden scheint die Lage auch andernorts ähnlich zu sein. In Bad Hindelang wurden die leeren Lager noch rechtzeitig vor dem Wochenende wieder aufgefüllt. Aber auch hier geht man mit dem Mangel gelassen um: So schlug im Gemeinderat schlug Albert Keck vor, Salz nicht nur zu sparen, wenn es knapp ist. Man sehe ja, dass es im Notfall auch mit weniger gehe. Bürgermeister Adalbert Martin plädiert dafür, gerade auf untergeordneten Wegen weniger zu salzen. Auch in Immenstadt wird gespart. Hans-Peter Linder vom städtischen Betriebshof muss mit seinem Lagerbestand wirtschaften, findet aber die Verhältnisse normal für das Allgäu. «Die Lage ist nicht so scharf », meint er.

Gut ausgestattet für das Skifliegen am Wochenende sieht sich Martin Winkler vom Bauhof Oberstdorf: «Wir haben 400 Tonnen und kommen schon klar.» Sparen will Winkler aber nicht: «Wenn ich nicht salze, muss ich mit meinem Hab und Gut haften, wenn jemand ausrutscht. Für mich gibt es keine Alternative zum Salz.» Die weiße Pracht auf den Wegen im Ort schmilzt er bewusst ein - «wir haben 160 km Wanderwege, das reicht.»

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