Wenns beim Text klemmt, greift er zum Taschentuch

Sulzberg (mr). Viele Sulzberger finden es einfach genial, wie der Beyrer Sepp Theater spielt: Ein spitzbübisches Grinsen, treffende Grimassen und absolute Schlagfertigkeit sind seine Markenzeichen. Kein Wunder, dass starker Beifall durch den 'Hirsch'-Saal rauschte, als er nun für sein 50-jähriges Bühnenjubiläum geehrt wurde. Im Anschluss an das Lustspiel 'Gaunerstück im Altenglück' überreichten ihm Theater-Chef Oskar Sommer und Abteilungsleiterin Ursula Schmid eine Ehrentafel mit Fotos. Auch Bürgermeister Thomas Hartmann gratulierte: 'Es wird nur wenige geben, die schon so viele Bürger zum Lachen gebracht haben.' Süffisant und schlitzohrig treibt Beyrer als Opa Paul die kratzbürstige Seniorenheim-Leiterin zur Weißglut. Im normalen Leben erweist er sich dagegen als bodenständiger, eher bescheidener Mensch. Der Vater von drei Kindern ist seit fast 40 Jahren 'glücklich' (wie Ehefrau Antonia bestätigt) verheiratet. Die Gattin hält ihm den Rücken frei, wenn er das verwirklicht, was für den Sepp selbstverständlich ist: Das Talent, das einem geschenkt worden ist, auch für die Allgemeinheit einzusetzen. Sein schauspielerisches Können ('das hat mir mein Vater vererbt') will Beyrer nicht überbewerten. Für ihn zählt auch sein 50-jähriges Engagement im Kirchenchor und als Posaunist in der Musikkapelle. Seine Triebfeder fürs Theaterspiel lasse sich, so Beyrer, in einem schönen Spruch zusammenfassen: 'Willst du glücklich sein im Leben, dann trage bei zu anderer Glück.'

'Ohne Teamarbeit läuft nichts' Und dort ist, wie der Mime resümiert, schon einiges angekommen. Die Begeisterung des Publikums, aber auch sein Gefühl der Dankbarkeit gegenüber dem 'wunderbaren Theaterteam' und Theaterleiter Oskar Sommer, der immer wieder neue Ideen entwickle. 'Ohne Teamarbeit und hartes Proben läuft gar nichts', so seine Erfahrung. Zudem müsse ein Schauspieler sensibel sein, um sich mit seiner Rolle identifizieren zu können. Lampenfieber hat der 69-Jährige übrigens heute noch. Nicht zuletzt wegen der hohen Erwartungshaltung: Wenn Josef Beyrer die Bühne betritt, erhofft sich jeder humoristische Spitzenleistungen. Dabei bevorzugt der Mime eher schwierige Charaktere: einen alten Knecht, einen 'spinnigen Preuß', einen Angetrunkenen oder gar einen Dorftrottel. 'Da musst du Haltung, Gang, Mimik und Diktion ziemlich stark verändern und trotzdem noch natürlich wirken', erklärt der Posthauptsekretär im Ruhestand. Früher, als er die Post noch selbst austrug, sprach er auf langen Wegen seine Texte vor sich hin. Und bei einem 'Hänger' auf der Bühne? Stets hat der listige Sepp ein Taschentuch dabei, zieht es heraus und rückt hüstelnd näher zu Souffleuse Inge Sommer. Zu Beginn seiner 'Karriere' sei es einmal versäumt worden, die Souffleuse in ihren 'Bunker' hinabzulassen. Um dies unauffällig nachholen zu können, täuschte der damalige Theaterleiter Karl Miller einfach einen Stromausfall vor i Der Bühnenjubilar ist am Ostersonntag und -montag und am 17./18. April (20 Uhr) im 'Hirsch' in Sulzberg zu sehen.

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