Lindenberg
Wenn sogar die Matratze gefriert

«Man spricht von einem Virus. Wenn du einmal dabei bist, dann fährst du immer wieder hin. Mich hat der Virus gepackt», sagt Siegfried Koch. Zum sechsten Mal in Folge ist der Lindenberger mit seinem Motorrad in den Bayerischen Wald zum Elefantentreffen gefahren, wo 5000 Hartgesottene aus ganz Europa bei Schnee und Eis im Freien sich und ihre Zweiräder feiern. Gerade die winterlichen Verhältnisse machen den besonderen Reiz dieses Wochenendes aus, «doch extrem wie heuer war es noch nie», sagt der 49-Jährige.

Es begann bereits daheim. Wegen der starken Schneefälle hat sich die Hinfahrt der Vorhut der insgesamt neunköpfigen Westallgäuer Gruppe um einen halben Tag verzögert. Erst als der Ratzenberg befahrbar war, ging es auf die 360 Kilometer lange Hinfahrt. Und besonders die letzten 30 Kilometer hatten es in sich: «Es kam immer noch mehr Schnee. Auf der Autobahn waren Motorradfahrer aus Italien und Spanien, die sind mit ihren glatten Reifen nicht mehr vom Fleck gekommen. Kurz vor dem Ziel, nach über 2000 Kilometer Anfahrt», erzählt Koch kopfschüttelnd. Geschafft nach Thurmansbang-Solla haben es aber dann doch alle.

Der Lindenberger, der sich seit vielen Jahren einen Namen als Fußballtrainer bei diversen heimischen Klubs gemacht hat, gerät ins Schwärmen, wenn er eine Anekdote nach der anderen erzählt: von Matratzen, die wegen der klirrenden Kälte wie Glas gebrochen sind und von rohen Eiern, die man bei diesen extremen Verhältnissen beinahe mühelos schälen konnte. Oder von bärtigen Rockern aus Litauen, die auf den ersten Blick finster wie die Nacht wirken, aber sich beim gemeinsamen Bier am Lagerfeuer als geselliges Völkchen erweisen. Das ist es auch, was für Koch den Reiz des Elefantentreffens ausmacht: «Tolle Stimmung, tolle Kontakte, tolle Party», fast er kurz und bündig zusammen. Man kommt eben miteinander ins Gespräch, fachsimpelt über Motorräder und hilft sich gegenseitig, wenn Not am Mann ist.

Die neun Westallgäuer, darunter auch seine Söhne Richard und Harald, haben stilecht im Zelt geschlafen, umgeben von hüfthohen Schneewänden. Das einzige Dach über dem Kopf auf dem riesigen Gelände bietet ein Bierstadel ohne Seitenwände, der zentrale Treffpunkt des Geschehens. Alles, was sie brauchen, nehmen die Zweiradfreaks auf ihren Motorrädern mit - vom Kaffee über Glühwein bis zum Braten. Das meist deftige Frühstück wird direkt aus der Pfanne gegessen. «Es ist eben ein Männerwochenende», fasst Koch zusammen, der sich für dieses Abenteuer ein BMW-Reisemotorrad mit 1100 ccm gekauft hat.

Trotz aller Begeisterung: Wer am Elefantentreffen, das es seit 1956 gibt, teilnehmen will, sollte ein geübter Fahrer sein. «Für Anfänger ist es nichts», warnt Koch. Virus hin oder her.

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