Wenn Mieter sich aus dem Staub machen

Kaufbeuren/Ostallgäu (fro). - 'Die Wohnung war vollkommen ramponiert, verdreckt und menschenunwürdig hinterlassen worden', schildert ein Kaufbeurer Vermieter den Anblick, der sich ihm bot. Nicht immer sind die Fälle so drastisch, aber es kommt immer häufiger vor, dass Mietzahlungen ausbleiben oder Wohnungen verwahrlosen. Das haben Hausbesitzer und Makler festgestellt. 'Je schlechter es den Menschen geht, desto mehr Mietzahlungen bleiben aus', so Peter-Georg Wagner vom Ring Deutscher Makler. Einige Monate stand die Miete schon aus, hatte der Mieter Mahnungen und Gerichtsurteile ignoriert. Als schließlich der Hausbesitzer mit dem Gerichtsvollzieher zum Räumungstermin erschien, fanden sie die Wohnung des Mieters verlassen vor: Möbel und Elektrogeräte waren kaputt inmitten dreckiger Wäsche und verdorbenen Essensresten hinterlassen worden. 'Die Räumkolonne wollte ohne Atemschutz nicht arbeiten', berichtet der Hausbesitzer. Er beklagt außerdem, dass eine Forderung nach den ausstehenden Zahlungen in diesem Fall nicht möglich war, da der ehemalige Mieter Sozialhilfe empfangen habe. Auch die Angestellte eines Ostallgäuer Maklerbüros hatte kürzlich ihr erstes Erlebnis dieser Art: 'Ich hatte so etwas noch nicht erlebt. Ein Mann ist Hals über Kopf aus seiner Wohnung abgehauen und hat die Möbel zurückgelassen', erzählt sie. 'Das Problem kommt öfter vor', erklärt Peter-Georg Wagner vom Ring Deutscher Makler.

Auch Ottmar Huffschmid vom Haus- und Grundbesitzerverein Kaufbeuren meint einen 'gewissen Zuwachs' zu erkennen. Diese Tendenz sei vermutlich der hohen Arbeitslosigkeit und den vielen Insolvenzen zuzurechnen. 'Einige resignieren, wenn sie arbeitslos werden. Zumal wenn Ehe- oder andere familiäre Probleme dazukommen', erzählt Huffschmid. Wenn Männer außerdem in solchen Fällen zum Alkoholmissbrauch neigten, sehe die Wohnung dem entsprechend katastrophal aus. In den großen Städten sei das noch 'krasser'. Das Phänomen betreffe alle sozialen Schichten. Das bestätigt auch Peter Kloos, Leiter des Kaufbeurer Sozialamtes: Probleme bei den Mietzahlungen könnten alle treffen, das sei nicht spezifisch für Sozialhilfe- oder Wohngeldempfänger. Nur in seltenen Fällen überweise deshalb das Sozialamt seine Unterstützung direkt an einen Vermieter. Genau das beantragten Hausbesitzer zwar oft, aber rechtlich bringe das nichts: 'Die Ansprüche sind zwar da, aber wenn der Mieter nichts hat, dann hat er nichts', so Wagner. Heinrich Siering, Vorsitzender von Haus und Grund in Kempten, empfiehlt, auf der Selbstauskunft der Mieter zu bestehen und zusätzlich nachzufragen, wie der potenzielle Mieter seine letzten drei Monatsmieten bestritten hat. Er weist jedoch daraufhin, dass '60 Prozent aller Bundesbürger in Mietverhältnissen leben. Die sind natürlich auch von der Arbeitslosigkeit betroffen, aber rund 93 Prozent aller Mietverhältnisse sind in Ordnung'.

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