Wenn die Krippe sprechen könnte

Von Johann Seibold | Buchloe Die Krippe mit dem Jesukind steht vor dem festlich geschmückten Altar - eingerahmt von Weihnachtssternen und brennenden Lichtern. Mesner Heinz Lohwasser legt das Messbuch im überfüllten Gotteshaus Mariä Himmelfahrt bereit; dann ziehen die Ministranten mit Benefiziat Thomas Brom und Diakon Peter Oelkrug ein.

1510 Jahre seit Moses das Volk Israel aus Ägypten geführt hatte und 1032 Jahre seit der Salbung Davids zum König - da wollte Jesus Christus, Sohn des ewigen Vaters, die Welt durch seine rettende Ankunft heiligen. Mit dieser von Brom gesungenen, feierlichen Ankündigung aus dem Römischen Martyrologium begann in der Buchloer Stadtpfarrkirche die Christmette.

Eine bekannte Szene

Die Weihnachtsszene sei uns bekannt, sagte Brom in seiner Predigt. Das Fest 'Weihnachten' bliebe unvollständig ohne dieses vertraute Bild. Man solle sich einmal vorstellen, dass unsere Krippen sprechen könnten, sagte Brom und startete ein 'Experiment': 'Vielleicht erkennt man sich selbst', sagte er. 'Ich bin eher müde', spricht etwa der Esel: 'Den ganzen Tag habe ich schwer getragen - und immer nur tragen, das macht müde.' Im Kind da vorne in der Krippe sehe er schon wieder Arbeit auf sich zukommen.

Das Schaf wusste gar nicht, was es 'von der ganzen Geschichte' halten sollte - es werde besser nicht viel dazu sagen. Als Schaf müsse man sowieso immer aufpassen, dass man nicht aus der Reihe tanzt und möglicherweise die ganze Herde gegen sich hat.

'Sie halten mich für verückt'

'Wenn ich das jemandem aus dem Dorf erzähle, was ich heute Nacht erlebt habe, halten sie mich für verrückt', sagte der Hirte, der ohnehin den Ruf habe, nicht besonders helle im Kopf zu sein. Also: Besser kein großes Aufheben zu den Erlebnissen machen.

'Kein Pferd und kein Kamel als Zeichen königlicher Würde, Samt und Seide, Gold und Silber kann er nicht brauchen, wenn es um das Heil der Welt geht?', fragte sich der König aus dem Morgenland. Für ihn sei das alles 'ein Rätsel'.

'Ausgerechnet ich, warum muss mir das passieren?', fragte sich Maria. Nur eine Figur, die kann nicht sprechen: das Kind. Doch es ist der, den wir später im Matthäus-Evangelium sagen hören: 'Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen'. Gott wird Mensch, er nimmt mich an wie ein Kind - ich darf einfach sein, so Benefiziat Brom am Ende seiner Ansprache.

Im Anschluss an die Messe unterhielten Bläser der Stadtkapelle und die Ministranten boten Glühwein und Punsch an. Der Erlös wird für die Renovierung der Stadtpfarrkirche verwendet.

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