Marktoberdorf
Wenn das Computerspielen zur Sucht wird

Der Junge auf dem Bildschirm tobt. Wutentbrannt schlägt er auf seinen Computer ein, brüllt Schimpfworte. Hysterisch überschlägt sich seine Stimme. Ein Gegner hat ihn in einem Computerspiel besiegt - für den 12-Jährigen ein Weltuntergang.

«Verbot ist keine Lösung»

Der Film macht deutlich: Computerspiele besitzen Suchtpotenzial. Beim Eintauchen in virtuelle Welten droht im Extremfall sogar Realitätsverlust. Doch wie können Eltern reagieren? Wie einer Abhängigkeit vorbeugen?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Informationsabends, den der Förderverein der Marktoberdorfer Adalbert-Stifter-Grundschule veranstaltete. Referent war Dr. Ralf Söllner, Facharzt für Psychotherapie und selbst Vater.

«Kindern den Computer ganz zu verbieten, ist keine Lösung», erklärt Söllner. Vielmehr gehe es darum, Eltern über mögliche Gefahren und den richtigen Einsatz dieser Medien aufzuklären. «Es ist wichtig, Kindern klare Grenzen zu setzen. Etwa durch zeitliche Vorgaben oder den Einsatz sogenannter Filterprogramme, die bestimmte Internetseiten sperren», so Söllner.

Da hauptsächlich alleinstehende und kontaktscheue Menschen suchtgefährdet sind, sei es wichtig, Kindern ein stabiles soziales Umfeld zu bieten und ihnen dabei zu helfen, ein positives Selbstwertgefühl aufzubauen.

Eine Abhängigkeit entsteht nicht von heute auf morgen. Sie ist das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung, die meist mit dem Konsum legaler Drogen wie Nikotin und Alkohol beginnt. «Deshalb müssen wir mit der Prävention bereits in der Grundschule beginnen. Wenn unsere Kinder in die Pubertät kommen und erste Kontakte mit Nikotin und Alkohol machen, kommen wir als Eltern kaum noch an sie heran», betont Söllner. Und Claudia Gellrich merkt an: «Als Mutter zweier Kinder will und muss ich mich mit dem Thema Sucht beschäftigen. Je früher man sich über Risiken und Anzeichen informiert, umso eher kann man reagieren.»

Während Computer- und Onlinespiele hauptsächlich Jungen reizen, verbringen Mädchen ihre Zeit in sogenannten Chatrooms und sozialen Netzwerken. Dort sammeln sie Kontakte, tauschen sich mit Freunden aus. Doch diese virtuelle Welt ist bis heute vielen Eltern fremd. «Hier müssen wir ansetzen und uns für unsere Kinder interessieren. Kinder und Eltern müssen gemeinsam eine Lösung für den sinnvollen Einsatz von Internet und Computer finden», erklärt Söllner.

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