Buchloe / Lima
Weltwärts nach Peru

Eigentlich hätte Sebastian Schilling auch nach Australien, Neuseeland oder in ein ähnliches, westlich geprägtes Land mit viel Sonne und beeindruckender Landschaft gehen können. Ein bisschen arbeiten, herumreisen, Spaß haben. So wie es viele andere Abiturienten machen, die vor dem Studium noch etwas von der großen weiten Welt sehen wollen. Doch irgendwie war das dem 20-jährigen Buchloer nicht genug. Und so entschied er sich im August 2009 für den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem wohlklingenden Namen «Weltwärts» (siehe Info-Kasten).

Kleines Zimmer bei Gastfamilie

Das Projekt führte ihn nach Peru, in dessen Hauptstadt Lima Schilling für die Organisation Runayay arbeitet, die ehemalige Straßen- und Bandenkinder betreut und fördert. Mittlerweile ist über ein halbes Jahr vergangen. In der südamerikanischen Metropole bewohnt der 20-Jährige bei einer Gastfamilie ein kleines Zimmer. Einfach, gemütlich - und vor allem sicher. Mit knapp acht Millionen Einwohnern ist Lima die größte Stadt des Landes. Und wie zahlreiche andere südamerikanische Metropolen kämpft auch Perus Hauptstadt mit einer großen Kriminalitätsrate. «In den Zeitungen liest man öfter von einem Mord», erzählt Schilling: «Und unter den Europäern in der Organisation ist fast keiner, der noch nicht ausgeraubt worden ist.»

Rund 500 Jugendbanden

Im Zentrum der Spirale aus Armut, Drogen und Gewalt stehen zahlreiche organisierte Jugendbanden. In Lima gehen Schätzungen von rund 500 dieser Gruppierungen aus, denen insgesamt über 13000 Jugendliche angehören. Einmal hineingeraten, gelingt es nur wenigen Heranwachsenden, sich aus diesem Strudel wieder zu lösen. Selbst wer den Absprung schafft und über Kinderheime oder Bewährungszentren vorübergehend von der Straße wegkommt, landet nach einiger Zeit meist doch wieder in seinem alten Viertel.

«Die Zeit in den Einrichtungen ist meist begrenzt. Mit 16 oder 18 Jahren verlassen die Jugendlichen diese Orte und stehen wieder in der Realität - und damit meist wieder vor den alten Problemen», erklärt Schilling.

An diesem Punkt greift Runayay. Die Einrichtung fördert die ganzheitliche Entwicklung der Jugendlichen und will diese vor dem Rückschritt auf die Straße bewahren. Sebastian Schilling arbeitet eng mit den Betroffenen zusammen, hilft ihnen bei der Arbeitssuche, leitet Fußball- und Gitarren-Workshops oder gibt Matheunterricht. Die Arbeit macht ihm Spaß, erklärt er. Auch, wenn sie manchmal schwer sei. «Viele Jugendliche sind älter als ich und kommen aus problematischen Verhältnissen. Da ist es natürlich nicht immer leicht, sich Respekt zu verschaffen.»

Smog gehört zum Stadtbild

Trotz allem ist Schilling von seinem Aufenthalt begeistert. Von der Stadt der Gegensätze, wie beschreibt, die ohne U-Bahn und Nahverkehrsnetz permanent am Verkehrsinfarkt kratzt, in der der Smog zum Stadtbild gehört. «Lima hat seine Tradition verloren», räumt Schilling ein. Aber es sei ein Teil eines vielseitigen Landes. Mit Regenwald, Wüste, Meer und Strand. «Wenn meine Freunde und Familie hier wären, würde ich glatt hier bleiben.»

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