Memmingen
Weit geöffnete Fenster des Glaubens

Ein Thema - unterschiedliche, immer ausdruckstarke Formen der Aussage. So könnte die Ausstellung von Gabriele Hünninger im Antoniersaal vereinfachend plakativ überschrieben werden. Die aus Memmingen stammende, nun im Rheinland lebende Künstlerin zeigt Bilder zu biblischen Themen. «Mit Hand und Ohr» nennt sie die Gesamtpräsentation, zu der auch eine musikalisch umrahmte Bildmeditation in der Christuskirche gehörte.

Zeichnungen, Radierungen, Linolschnitte sind es hauptsächlich, die sich mit Psalmen und Schrifttexten auseinandersetzen, dazu Mischtechniken. Neben den Bildern sind Texte aus der «Bibel in gerechter Sprache» angebracht.

Lesen und schauen

Zwei Möglichkeiten bieten sich an: Zuerst zu lesen und dann gespannt nachzuschauen, wie die Werkschöpferin die Texte deutet, oder ein Bild aufmerksam zu betrachten und sich dann zu informieren, welches Schriftwort «bearbeitet» wurde. Beide Formen sind lohnend. Eindeutig das Ergebnis: Weit entfernt von überholter frommer Interpretation wird hier Stellung bezogen. Eine klare Sprache, eine eindeutige Wahrnehmung der Botschaft, fernab betulicher Andachtsmalerei. Zorn und Kampf, Zweifel und Niederlage, aber auch Barmherzigkeit, Zuwendung und Frieden sind herauszulesen aus einer oft ungegenständlichen Darstellungsweise.

Weit gespannt sind die Ausdrucksmöglichkeiten dieser Künstlerin. Beim Rundgang durch die Ausstellung fragt man sich beinahe, ob hinter allen Werken die gleiche «Produzentin» steht. Beruhigend sind Hünningers Bilder nicht, aber sie vermitteln Zuversicht. Pfarrer Schunk sagte bei der Eröffnung der Ausstellung: «Bilder sind Fenster des Glaubens». Gabriele Hünninger liefert ganz unterschiedliche Fenster, die zu öffnen, sprich zu betrachten, sich lohnen.

Als Theologin und Germanistin, die sie auch ist, weiß sie um die Schwierigkeit, die Symbolik der Psalmen in Gegenwartssprache zu übertragen. Wohl gerade deshalb kann sie sich so klar im Bild ausdrücken. Es geht ihr nicht um Erklärungen, mehr um eine eigenständige Wahrnehmung durch die Betrachter. Für diese Ausstellung braucht es mehr als ein wohlwollendes Hinschauen. Betrachtung im besten Sinn lohnt sich.

Dauer Noch zu sehen im Antoniersaal bis Sonntag, 4. Oktober, geöffnet Freitag und Samstag 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Sonntag 10 bis 16 Uhr.

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