Was erlauben Marktoberdorf?

Von A. Paul Wenn der Kemptener Oberbürgermeister nicht Netzer, sondern Trappatoni hieße, würde er jetzt mit Schaum vorm Mund fragen: 'Was erlauben Marktoberdorf?' In früheren Zeiten gar hätte, was sich diese verblendeten Ostallgäuer da herausnehmen, einen veritablen Städtekrieg ausgelöst. Die Marktoberdorfer wollen nämlich, es übersteigt jedes Fassungsvermögen, den Namen der alles überstrahlenden Allgäu-Metropole aus dem Straßenbild ihres klitzekleinen Kreisstädtchens tilgen. Ausradieren! Eliminieren!! Die Kemptener Straße soll einfach verschwinden. Zwar ist der Anlass ehrenwert: Man will einem verdienten Mitbürger, dem 2002 gestorbenen Abgeordneten Richard Wengenmeier, eine Straße widmen - und hat offenbar kein unbeschriebenes Straßenschild. Also muss ein anderer Name weichen. Aber warum ausgerechnet Kempten? Die Marktoberdorfer Straßenschilder bieten doch Alternativen satt: Danzig, Königsberg, Augsburg, München, Ruderatshofen - mit Ausnahme des Letzteren lauter relativ unbedeutende Ansiedlungen.

Jedenfalls gar nicht zu vergleichen mit Kempten, der Perle unter den Städten des Allgäus. An Einfalt nicht zu überbieten sind auch manche Argumente, mit denen die Streichung des stolzen Namens begründet wird. Groteskes Beispiel: Die Kemptener Straße führe ja gar nicht wirklich nach Kempten, also könne sie weg. Als ob nicht schon jedes Kind im Allgäu lernte, dass alle Wege nach Kempten führen - spätestens dann, wenn ihre Eltern mal ordentlich einkaufen wollen. Wie sollen nun die Kemptener auf diese Demütigung reagieren? Es den Marktoberdorfern mit gleicher Münze heimzahlen? Geht leider nicht, denn eine Marktoberdorfer Straße gibt's in Kempten nicht. Dennoch keimt Hoffnung, weil nämlich die Anlieger der Kemptener Straße in Marktoberdorf inzwischen gegen die Umbenennung auf die Barrikaden gegangen sind. Nicht aus Liebe zu Kempten, sondern zu ihrem Geldbeutel: Sie scheuen die Kosten der Namensänderung. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder? Deshalb könnte Kempten doch, wenn am Montag der Marktoberdorfer Bauausschuss noch einmal über das Thema debattiert, zur Unterstützung der Protestler eine Geheimwaffe einsetzen: Die sturmerpobten Anwohner des Karl-Diem-Wegs.

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