Wahlsieg der Obst- und Gemüsefraktion

Von Otto Fritsch Neugablonz - Wenn der Bauch entscheidet, hat es die Politik nicht eben leicht, dafür bietet die Obst- und Gemüse-Fraktion einfach zu viel Auswahl. Drei Parteien kontra 30 Geschmacksrichtungen - ein ungleicher Wettkampf. CSU, Freie Wähler und SPD haben es schwer, gegen die Übermacht aus Strauchtomaten, Erdbeeren, Bio-Karotten und frischem Spargel anzukommen. Die meisten Besucher des Neugablonzer Wochenmarkts wollen am Samstagvormittag einkaufen und genießen, nicht debattieren. Dabei ist der Marktplatz der Meinungen am Wochenende vor der kombinierten Oberbürgermeister- und Europawahl mit Polit-Prominenz gut bestückt. Und gerecht aufgeteilt: OB-Kandidat Stefan Bosse ('Mit den Menschen für die Menschen') von der CSU hat seinen Stand beim Gablonzer Haus aufgebaut, der amtierende Oberbürgermeister Andreas Knie ('Die bessere Wahl') steht vor dem Drogeriemarkt Rede und Antwort. Und die sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk ('Nur Hexen wählen SPD') wartet am anderen Ende des Wochenmarktes auf Gesprächspartner. Doch die Grundsatzdiskussion über Europas Ost-Erweiterung und den Kurs von Rot-Grün fällt schwer, wenn einem der Duft gegrillter Schweinshaxen in die Nase steigt. Die Arbeit an der politischen Basis ist angesichts dieser Konkurrenz für Europa-Wahlkämpferin Skarpelis-Sperk nicht gerade ein Zuckerschlecken. Für die wenigen Politik-Interessierten nimmt sich die SPD-Frau dafür extra viel Zeit.

Lächelnde Kandidaten Im Vergleich zu Skarpelis-Sperk hat es Andreas Knie schon ein bisschen besser getroffen. Abgesehen vom leckeren Bärlauch-Käse gleich nebenan hat der OB keine lukullischen Versuchungen in der Nähe seines Standes. Der OB schreibt Autogramme, unterhält sich mit Passanten und lächelt freundlich. Nur ein kleiner Wermutstropfen trübt dieses Bild: Von der anderen Straßenseite aus lächelt Knies Herausforderer Stefan Bosse von einem Wahlplakat - den ganzen Vormittag lang. Der leibhaftige Bosse lässt sich bei Knie und den Freien Wählern zwar nur kurz blicken, ist aber in Form von blauen Luftballons, blauen Wahlkampf-Prospekten und den blauen Bosse-Jacken seiner Wahlkampfhelfer auch so ständig präsent. Kurz vor 10 Uhr stattet Bosse zusammen mit seinem CSU-Parteikollegen und bayerischen Wissenschaftsminister Thomas Goppel dem politischen Gegner noch einen Höflichkeitsbesuch ab. Doch nur Goppel gibt Knie die Hand, dann dreht er sich um und geht zurück zum Stand der Christsozialen. Am Spargel kommt aber auch der Staatsminister nicht vorbei: 'Ist der frisch?', fragt er den Verkäufer. Aus dem Geschäft wird allerdings nichts. Goppels Limousine wartet schon, der nächste Wahlkampftermin steht an.

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