Vorsorgepflicht für Kinder längst überfällig

Von Johannes Schlecker | Kempten Verstärkte Vorsorge-Untersuchungen und ein besserer Datenaustausch: Mit diesen Maßnahmen wollen Bund und Länder den Schutz der Kinder in Deutschland stärken (wir berichteten). Beim Kinderschutzbund stößt dieser Vorstoß auf Zustimmung. 'Ich bin froh, dass das Thema endlich in der Öffentlichkeit diskutiert wird', erklärt Vorsitzender Dr. Thomas Potthast.

Verpflichtende Vorsorge-Untersuchungen hält der Kemptener Kinderarzt für 'längst überfällig': 'Wir sind bislang meist nur auf Probleme aufmerksam geworden, wenn die Eltern freiwillig mit ihren Kindern den Arzt besucht haben.' Mit der geplanten Neuregelung sei eine bessere Kontrolle möglich, um rechtzeitig eingreifen zu können.

Dennoch bestehe weiterhin die Gefahr, dass Eltern trotz mehrfacher Aufforderung den Untersuchungstermin nicht wahrnehmen: 'Eine reine Strafandrohung reicht da nicht aus. Dann muss eben das Kindergeld gestrichen werden.'

Gleichzeitig weist Potthast auf das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient hin. 'Junge Eltern müssen weiterhin ihre Probleme schildern können, ohne Angst haben zu müssen, dass die Schweigepflicht gebrochen wird', erklärt der Kinderarzt. Wenn allerdings 'Gefahr im Verzug' sei, müssten die Ärzte Kontakt zum Jugendamt aufnehmen. In Kempten funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Behörden bereits gut. Auch unter den Ärzten gebe es einen 'internen Austausch'. 'Einige Eltern wechseln den Arzt, wenn sie auf Probleme angesprochen werden. Daher fragen Kollegen im Zweifelsfall schon mal nach, um sich ein genaueres Bild zu verschaffen', so Potthast.

Für Klaus Klarer von der psychologischen Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, dass auf die Worte möglichst bald Taten folgen: 'Die Vorschläge sind gut. Wenn es aber ums Geld geht, sieht es oft ganz anders aus.' Daneben müssten aber auch Konzepte erarbeitet werden, um überforderte Mütter frühzeitig zu unterstützen. Klarer verweist auf die 'MamaBabyHilfe' der Katholischen Jugendfürsorge, die sich speziell an Eltern von Neugeborenen richtet: 'Solche Anlaufstellen sind wichtig, damit junge Mütter im Alltag klarkommen und die Situation nicht eskaliert.'

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