Vor dem Fachabiturtotal unter Strom

Memmingen (bsk). - 'Aufgeregt? Nein, aufgeregt bin ich gar nicht', sagt Agnes Kukowka. Selbst wem ihr ironischer Tonfall entgeht, merkt spätestens beim Blick in die Augen der 21-jährigen Abiturientin, dass sie das eben Gesagte nicht ernst gemeint hat. 'Ich steh' total unter Strom. Leider werde ich von Prüfung zu Prüfung noch aufgeregter.' Unruhig blickt sie hin und her. Mal zu ihrer Freundin Miriam, mal auf die Uhr. Die beiden jungen Frauen wollen die bevorstehende Prüfung in Rechnungswesen so schnell wie möglich hinter sich bringen. 20 Minuten bevor die Aufgaben ausgeteilt werden, ziehen die Berufsoberschülerinnen bei einem Lehrer ihre Platznummern. Als eine der ersten unter den knapp 180 Absolventen der Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS), die ihr Fachabitur schreiben, verschwinden Agnes und Miriam Senol im Saal der Memminger Stadthalle. Die Skepsis war groß unter den Abiturienten, als feststand, dass ihre Prüfungen heuer in der Stadthalle stattfinden müssen. 'Wir haben diesmal so viele Prüflinge wie noch nie. Und unsere 32 Lehrer reichen nicht mehr aus, um die Klassen in einzelnen Prüfungsräumen zu beaufsichtigen', erklärt Schulleiter Hans-Peter Gneiser. Es werde aber wohl das erste und letzte Mal sein, dass die Stadthalle für die fünf Abitur-Vormittage angemietet wird.

Nach dem Umzug ins neue FOS-/BOS-Gebäude im kommenden Schuljahr ist laut Gneiser für solcherlei Großaktionen in der hauseigenen Aula genügend Platz. Viele Schüler hätten sich dennoch gewünscht, dass sie die Prüfungen in den Klassenräumen schreiben dürfen. 'Da herrscht eine gewohntere Atmosphäre. Ich dachte auch, dass man bei so viel fremden Gesichtern leicht nervös wird', beschreibt der 21-jährige David Suchantke seine Bedenken. Letztlich seien die Prüfungen in der Stadthalle aber bislang sehr viel angenehmer und vor allem ruhiger verlaufen, als er es angenommen habe. Auch Gneiser ist zufrieden: 'Wir brauchen jetzt gerade mal sechs Lehrer, um die Prüflinge zu beaufsichtigen', sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: 'Vor allem von der Bühne hat man alle bestens im Blick. Spicken ist eigentlich ausgeschlossen.' Martin Cogiel pflichtet ihm da ausdrücklich bei. Der FOS-Schüler hat in der Mitte der ersten Reihe Platz genommen - unmittelbar vor dem Bühnen-Mikrofon, über das der Schulleiter gerade letzte Anweisungen gibt. 'Mir ist egal, wo ich sitze. Spicken geht eh nicht und ansonsten konzentriere ich mich nur auf die Aufgaben.' Fünf Minuten später hört man nur noch vereinzeltes Husten und Räuspern sowie das Rascheln der Prüfungsunterlagen. Drei Stunden lang steht den Abiturienten die Anspannung ins Gesicht geschrieben. 'Die Zeit war viel zu knapp bemessen', beklagt sich später Agnes Kukowka. Doch wenigstens lacht sie jetzt wieder.

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