Vor 40 Jahren gefeiert, bis heute ein Vorbild

Nesselwang | mar | Der Empfang war überwältigend. Tausende feierten mit Sprechchören ihren Helden von Grenoble. Bürgermeister Magnus Lipp beschwor die über Nesselwang wehenden Fähnlein. Der Held selbst war allerdings kein strahlender. Müde vom frühen Aufbruch zur Heimfahrt war ihm bei seinem Empfang vor allem kalt. Denn er wurde bei eisigen Temperaturen im offenen Mercedes-Cabriolet durch die Massen chauffiert. 'Heimkehrer mit Goldmedaille und roten Ohren' überschrieb das Füssener Blatt seinen Bericht.

Auf den Tag 40 Jahre ist es heute her, dass der damals 23-jährige Franz Keller bei den Olympischen Winterspielen von Grenoble in der nordischen Kombination seinen Vorsprung vom Springen beim 15-Kilometer-Langlauf knapp vor seinem Schweizer Verfolger Alois Kälin ins Ziel rettete. Das Jubiläum nahm die Marktgemeinde zum Anlass, ihrem ersten Olympiasieger im Brauerei-Gasthof Hotel Post einen kleinen Empfang mit 'Siegersuppe', Kalbsroulade 'Olympia' und Nachtisch 'Grenoble' zu geben. Bis heute sei Franz Keller ein Vorbild für die Jugend seiner Heimatgemeinde, lobte Bürgermeister Josef Köberle. Seine Goldmedaille habe der Bekanntheit Nesselwangs und der Sportbegeisterung des Nachwuchses einen regelrechten Schub verliehen. Dabei sei Keller nie abgehoben, sondern stets bescheiden und seiner Heimatgemeinde verbunden geblieben. So engagiere sich der Olympiasieger beispielsweise noch heute für die Bewohner des Heilig-Geist-Spitals.

Reigen eröffnet

Keller habe damals einen regelrechten Reigen eröffnet, der Nesselwang bis zu den jüngsten Erfolgen des Biathleten Michael Greis eine unvergleichliche Medaillendichte beschert habe, so Köberle. Auch, dass Nesselwang zu den Austragungsorten von 'Jugend trainiert für Olympia' mit rund 800 Teilnehmern gehört, wäre ohne Persönlichkeiten wie Keller kaum denkbar.

Köberle, den 1968 unglückliche Umstände davon abgehalten hatten, als Zuschauer mit nach Grenoble zu fahren, kann sich noch gut an Kellers sportliche Anfänge in 'Dosers Halde', 'dem Skistadion des Oberen Marktes' erinnern. Bereits beim Jugendskitag hängte Keller sowohl im Langlauf, als auch auf Alpinskiern alle Konkurrenten ab. Dass er sich am Ende für den nordischen Skisport entschied, lag daran, dass er sich die Oberstdorfer Skispringer Max Bolkart, Toni Brutscher, Heini Klopfer und Sepp Weiler zum Vorbild nahm.

Und seinen großen Bruder Erwin. 'Der war von 1952 bis 1956 mehrmals deutscher Jugendmeister in der Kombination und im Springen', erzählt Franz Keller. Bereits mit 21 Jahren habe Erwin Keller selbst aus gesundheitlichen Gründen mit dem Leistungssport aufhören müssen, habe ihm aber noch viele Tipps mit auf seinen Weg gegeben.

Nur wenig gibt es, dass Keller von den heutigen Errungenschaften des Skisports selbst gerne gehabt hätte. Nur die Gundersen-Methode, nach der die Ergebnisse des Skispringens in Zeitabstände für den Langlauf umgerechnet werden, hätte er auch gerne gehabt. Zu seiner Zeit wurden die Ergebnisse von Skispringen und Langlauf nach einem komplizierten Punktsystem berechnet. Oft stand erst Stunden nach dem Rennen fest, wer gewonnen hat.

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