Von Kostendeckung meilenweit entfernt

Kempten (bec). - Auf dem Trockenen sitzen lassen seit gestern bayernweit Bauern ihre Molkereien: Unter dem Motto 'Milchprotest - jetzt reicht's!' liefern die Milchbetriebe drei Tage lang keine Milch aus (AZ berichtete). Auch in Kempten und dem Oberallgäu beteiligen sich viele Landwirte am Boykott. In einem Pressegespräch, das gestern in Kempten auf dem Hof von Hans Epp, dem Vorsitzenden der Milcherzeugergemeinschaft Heising, stattfand, erläuterten die Bauern ihre Forderungen (siehe auch Allgäu Rundschau). 'Der Erzeugerorientierungspreis (EOP) liegt jetzt bei 25 Cent, im Mai sollen es nur noch 24,5 Cent sein, ab Herbst noch weniger', erklärte Dr. Leopold Herz, Landwirt und Kreisobmann des BBV Oberallgäu. Seit September 2001 sei der Milchpreis um rund 16 Prozent gefallen. 'Die Tendenz geht immer mehr in Richtung Weltmarktniveau und das darf nicht sein, wenn man als Bauer noch kostendeckend produzieren will.' Deshalb fordern die Landwirte die Politik auf, die billigen Discounter in ihre Schranken zu weisen. Herz: 'Außerdem muss es in ganz Europa zu einer Verknappung der Milchmenge kommen.' Gegen eine Erhöhung der Milchquote, die für 2006 geplant sei, müssten sich die Bauern vehement zur Wehr setzen. Zitat Die Milchpreise sinken auf Weltmarktniveau, wir müssen aber auf deutschem Lohnniveau produzieren. Das zerstört unsere Milchwirtschaft.} Dr. Leopold Herz, Kreisobmann des BBV Oberallgäu und Landwirt 'Wir befinden uns derzeit in einer unerträglichen Situation', betonte Herz. Von kostendeckenden Preisen seien die Landwirte 'meilenweit entfernt'. Wenn der Milchpreis auf unter 25 Cent sinke, ergebe sich pro Liter ein Minus von über fünf Cent. 'Da kann keiner mehr sagen, dass Betriebe ab 80 Kühen erst funktionieren. Es wird nur noch schlimmer und in Familienbetrieben ist dieses Pensum ohnehin nicht mehr zu schaffen.' Kritik an der Agrarreform äußerte Hans Epp: 'Durch die Reform wurde die Exporterstattung zurück gefahren und teilweise ganz gestrichen, der Import dagegen wird gefördert.' Nur, weil die meisten landwirtschaftlichen Betriebe Familienbetriebe seien und keine Löhne zahlten, könnten sie sich noch über Wasser halten. 'Momentan arbeiten wir noch mit einer schwarzen Null', so Epp. Der derzeitige Milchpreis, machte BBV-Geschäftsführer Helmut Mader klar, sei die absolute Grenze. 'Darunter rechnet es sich gar nicht mehr und es geht an die Substanz.' Deshalb sei es nun für die Bauern höchste Zeit, mobil zu machen: 'Wir können nicht warten, bis so viele Betriebe kaputt gegangen sind, dass es sich für die übrig gebliebenen wieder lohnt, Milch zu produzieren.'

Ziel: Über 35 Cent pro Liter Mit dem Milchboykott solle gezeigt werden, dass es den Bauern wirklich ernst ist. Herz: 'Was wir jetzt erleben, ist eine Sache, die es bisher noch nie gab.' Auch die Landwirte hätten einen Lohnanspruch, deshalb müsse wieder ein Milchpreis über 35 Cent pro Liter erreicht werden. 'Wer jetzt nicht mit aufsteht, braucht sich über alles, was noch kommt, nicht beklagen', betonte der BBV-Kreisvorsitzende. Und Mader fügte hinzu: 'Erst, wenn sich an dieser Aktion weit über 50 Prozent der Oberallgäuer und Kemptener Bauern beteiligen, können wir von einem Erfolg sprechen.' Wie viele Landwirte sich tatsächlich am Boykott beteiligen, war gestern noch nicht zu sagen. Herz: 'Wir hoffen natürlich, dass heute und morgen noch mehr dazukommen.'

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