Von einem Radfahrer auf Goldsuche

Als Robert Höpfl 4000 Kilometer durch Australien radelte, fand er einen Nugget und viel Natur Oberstaufen (az). 143 Kilometer kerzengerade Asphaltstraße durch den Busch. Keine Häuser. Nur ab und zu überholt ein Riesenlaster mit fünf oder sechs Anhängern. Dies war für Robert Höpfl aus Oberstaufen der spannendste und interessanteste Teil seiner Radtour von West- nach Ostaustralien. Ganz alleine mit seinem Tourenrad, einem Anhänger und einem Iglu-Zelt war der 59-Jährige in Perth in die Einsamkeit gestartet. Nach drei Monaten hatte ihn die Zivilisation in Sidney wieder..

Dazwischen hat der Allgäuer, der die meiste Zeit im Oberstaufener Tour-de-Suisse-Trikot radelte, Einsamkeit, Natur pur und Abenteuer erlebt. So wurde Höpfl auf seiner Reise von einem Franzosen, der seit Jahren in Australien lebt, dazu überredet, ihm zu den verlassenen Goldminen nach Leonora zu folgen. Der Abstecher von der Hauptroute, der vier zusätzliche Radfahrtage kostete, hat sich gelohnt: Mit Detektoren haben die beiden im Wüstensand gesucht - und Höpfl fand tatsächlich einen acht Gramm schweren Goldnugget, den er heute stolz um den Hals trägt. Mit dem Goldklümpchen und viel Wasser im Proviantanhänger folgte er dem schier unendlichen Teerband durch die Nullabor-Plain. Diese Ebene durch den australischen Busch ist bei den Autofahrern berüchtigt, weil sie auf den langen, zermürbenden und langweiligen Geraden oft einschlafen. Fahrzeugwracks entlang der 1200 Kilometer langen Piste sind ein Zeugnis dafür. Für Höpfl dagegen war´s überhaupt nicht langweilig. Während der Wildflowerzeit blühte der Busch. 'Und es gab immer was zu sehen.' Neben der Vegetation sorgten große Spinnen, Schlangen und Gürteltiere, die sich auf dem Teer sonnten, für Abwechslung. Abwechslungen der gefährlichen Art waren die 'Roadtrains', riesige Lastwagen mit fünf bis sechs Anhängern, die gelegentlich an ihm vorbeischossen. Hier musste der Allgäuer den Radlenker kräftig festhalten. 'Denn der Sog der Riesenbrummis hat einen fast vom Radl geblasen.'Manchmal wurden Höpfls durchtrainierte Waden durch Rückenwind entlastet. Damit die Brise eine große Angriffsfläche fand, baute der findige Oberstaufener ein Segel auf seinen Radanhänger. 'Diese Unterstützung durch die Natur hat mir manche der 60 bis 80 Kilometer langen Etappen erleichtert.'Geschlafen hat Höpfl immer in seinem kleinen Igluzelt mitten im Busch. 'Da war ich der Natur so richtig nahe. Angst hatte ich nie, denn es gibt dort keine bösen Menschen und keine richtig gefährlichen Wildtiere. Weil ich immer hohe Stiefel und lange Hosen anhatte, wollten auch die giftigen Schlangen und Spinnen nichts von mir', schildert er seine Vorsichtsmaßnahmen. Als Höpfl schließlich nach Südaustralien kam, wurde er von einer richtigen Grenze innerhalb des Landes überrascht. Hier musste er all seine Äpfel, Bananen, Müsliriegel und Brote abgeben und die Wasserflaschen ausleeren. Die Beamten erklärten ihm, dass keinerlei Lebensmittel über die Grenze gebracht werden dürfen. Doch lange blieb sein Hänger nicht leer. Denn Autofahrer, die nach Westen wollten, mussten sich auch ihres Proviantes entledigen. Sie füllten den Radanhänger, an dem stets die bayerische und die europäische Flagge wehte, bis an den Rand mit Essbarem. So konnte Höpfl gestärkt seine letzten Etappen zurück in die Zivilisation antreten. In Sidney schließlich zeigte der Tacho an dem Tourenrad mehr als 4000 zurückgelegte Australien-Kilometer an.

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