Marktoberdorf
Von der Magd zur strahlenden Prinzessin

Einen reizenden Nachmittag erlebten Kinder und Erwachsene beim Musical «Aschenputtel» im Modeon. Das Liberi Theater für Kinder hatte das Märchen modernisiert und in die heutige Sprache und Musik umgesetzt. Die Kinder folgten dem Geschehen mal gebannt, mal mit heiterem Gelächter und spendeten viel Szenenbeifall.

Zwar hätten sich einige der Erwachsenen mehr und romantischere Kulissen gewünscht. Für eine Tourneebühne hatte das Ensemble dieses Problem aber recht clever gelöst: Die weißen Stellwände, die sich mittels dahinter angestrahlter Vorhänge in einen Wald, ins Elternhaus von Aschenputtel oder ins Schloss verwandelten, regten die Fantasie der Kinder an. Insbesondere als Aschenputtel auf imaginären Baumstämmen balancierte, über Gräben sprang oder wie in einem Scherenschnitt hinter den Stellwänden durch den Wald tollte, entstand ein Gefühl der Weite.

Der Inhalt des Märchens war angelehnt an den Film «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel», für die Bühne jedoch entsprechend vereinfacht worden. Anstatt mit Kutsche kamen die Gäste zu Fuß im Schloss an. Aschenbrödel entfloh auch nicht auf ihrem Pferd, sondern in den Wald.

Da die Schlosstreppe fehlte, auf der sie ihren Schuh hätte verlieren können, traf sie auf einen skurrilen Waldschrat. Er riet ihr, den Schuh für den Prinzen zurückzulassen.

Nicht nur, dass Stiefmutter und Stiefschwester Aschenputtel wie im Märchen drangsalierten, sie mobbten sie buchstäblich. Es ist schon hart für ein junges Mädchen, von der Stiefmutter gesagt zu bekommen: «Du bist nur die Magd. Ich hab dich nicht mal gern. Das weißt du genau». Kein Wunder, dass sie in den Wald ausbüxte, so oft sie nur konnte. Reizend ihre Monologe an die toten Eltern.

Ein Lob an die Akteure, die bis auf das Aschenputtel (Silja Schenk) jeweils zwei Rollen zu spielen hatten. Franz Steiner agierte als Prinz und zugleich als Stoffhändler. Maggie A. Zahn verkörperte sehr realistisch die böse Stiefmutter und auch den Waldschrat, genannt Waldhusch. Mit ihrem überdrehten Gehabe als Stiefschwester brachte Carolin Pommert die Kinder immer wieder zu herzlichem Lachen. Als Freund des Prinzen zeigte sie dagegen Mitgefühl und Kameradschaft.

Auch die Musik wies vom rapähnlichen Sprechgesang über Beat, Soul und Popstrukturen bis hin zum romantischen Duett des Liebespaares am Ende alle Facetten zeitgemäßer Musikstile auf. Da und dort wippten die Kleinen mit den Fußspitzen oder klatschten im Takt mit. Der Beifall am Ende war den Akteuren sicher.

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