Füssen
Von der Konkurrenz abgehängt

Geburtstage hat Jürg Tiedge in seinem Leben einige erlebt. Von seinem letztem Wiegenfest jedoch wird sich der geschäftsführende Vorstand des EV Füssen nicht so schnell erholen. Es war am vergangenen Freitag, als Tiedge 58 Jahre alt geworden ist. Jener Tag, der den Chef der Leoparden mehr hat altern lassen, als einem Menschen lieb sein kann. Sein Team hat ihm an diesem Tag nicht nur ein Geschenk in Form von drei Punkten verwehrt. Es hat auch seinem unbändigen Glauben an das Erreichen der Play-offs immensen Schaden zugefügt, zumal auch am Sonntag in Passau die erhofften Punkte ausblieben. Statt einen entscheidenden Sprung in Richtung des anvisierten Saisonziels zu machen, hat der EV Füssen ausgerechnet am Geburtstag des Chefs gezeigt, dass es in der derzeitigen Form zurecht auf dem letzten Tabellenplatz der Oberliga steht und keinerlei Mittel findet, die berüchtigte Rote Laterne loszuwerden.

«An so einen Geburtstag kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern», sagt Tiedge auch Tage später noch resigniert. Er wirkt dabei ähnlich ratlos wie das Team von Trainer Georg Holzmann am Freitag auf dem Eis, als gegen Bad Nauheim nur wenig zusammenlief. Obwohl nominell gut besetzt - zumindest besser als einige Konkurrenten - spielen die Leoparden zumeist unter ihren Möglichkeiten, nicht selten weit unter ihren Möglichkeiten. Und selbst nach einem guten, engagierten Auftritt steht die Mannschaft häufig mit leeren Händen da. «Was soll man da noch machen», fragt Tiedge. Diese Frage stellen zu müssen, fällt ihm schwer, lieber hätte er eine Antwort geben wollen, so, wie er es die vielen Jahre lang getan hat, die er dem Verein inzwischen bereits vorsteht. So, wie man es von ihm in all den Jahren gewohnt war, in denen er den EV Füssen durch schwierigstes Gewässer geleitet hat.

Plan droht zu scheitern

Nicht selten musste der Chef des EV Füssen unpopuläre Entscheidungen treffen - was ihm in dieser Zeit viele Kritiker eingebracht hat. Aber Tiedge hat sich davon nicht beirren lassen: Immer im Glauben, das Beste für seinen Verein zu machen, hat er seinen Weg beibehalten. Auch in dieser Saison. Die Wirtschaftskrise hat das Eishockey hierzulande nicht verschont. Auf die finanziell schwerer werdenden Zeiten hat der Eislaufverein mit Mut und einem neuen Konzept reagiert: Der Nachwuchs sollte noch stärker zum Einsatz kommen, angeführt von einigen erfahrenen Spielern.

Mit Kevin Lavallee hat man den besten Torschützen der vergangenen Oberligasaison nach Füssen gelockt - zudem mit Jordie Preston einen etablierten wie viel versprechenden Stürmer sowie mit Eric Nadeau den Publikumsliebling zurück geholt. Dieser Plan hätte aufgehen können, denn zumindest auf dem Papier hat der Altmeister ein gutes Team. Doch der Plan droht zu scheitern.

Die Schuld daran trägt die Mannschaft, die nur selten zu überzeugen wusste. Einigkeit herrscht im Verein sowie auf den Zuschauerrängen darüber, dass die erfahrenen Spieler ihre zugedachte Rolle nicht erfüllen: Weder spielerisch noch in ihrer Rolle als Führungsspieler für die Jungen.

Hinzu kommt, dass einzelne Nachwuchsspieler die Chance, die sich ihnen bieten, offensichtlich nicht erkennen und ebenso hinter den Erwartungen zurückbleiben wie die arrivierten Spieler. Georg Holzmann stellt sich schützend vor seine Mannen - er sieht das Problem vor allem in der schwachen Phase zu Beginn der Saison, als Verletzungen einiger Stammspieler dem Team zu schaffen gemacht hatten. «In der Phase hatten wir Pech und haben zu viele Punkte liegen lassen», so der Trainer. Er selbst will die Hoffnung auf das Erreichen der Play-offs trotz allem nicht aufgeben - wenngleich er weiß, dass die Chancen eher theoretischer Natur sind. Das wurmt den ehemaligen Nationalspieler, der entgegen der üblichen Gesetze weiter im Amt ist.

Auch Holzmann hat sich über diese Situation Gedanken gemacht, viele Gespräche mit der Vereinsführung geführt. Eine Entlassung Holzmanns aber steht nicht zur Diskussion. «Die Mannschaft kann sich keinen Besseren vorstellen», sagt Tiedge. Damit stellt sich den Verantwortlichen aber die Frage, was passiert, sollte Füssen am Ende der Hauptrunde weiterhin Letzter sein. Zwar gibt es keinen Absteiger, «aber als Tabellenletzter erwirbt man sich das Recht abzusteigen», erklärt Tiedge. Ein Recht, das Füssen wahrnehmen könnte, je nachdem, in welchem Gewand sich die Oberliga kommende Saison präsentiert. Darüber nachdenken zu müssen bereitet Tiedge schlaflose Nächte. Dabei wäre sein Geburtstag ein guter Tag für die Wende gewesen.

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