Von der Dorfschule zum Spitzenforscher

Professor Klaus Pfanner aus Scheffau mit höchstdotiertem deutschen Forschungspreis ausgezeichnet Von Thomas Gretler Westallgäu/Freiburg. Der 25. Februar war bisher der größte Tag in der Forscherlaufbahn von Professor Dr. Nikolaus Pfanner: In Berlin verlieh ihm Edelgard Bulmahn, Bundesministerin für Bildung und Forschung, den mit 1,55 Millionen Euro dotierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Pfanner, der in Neuhaus bei Scheidegg aufgewachsen ist, teilt sich den Preis für Biochemie und Zellbiologie mit dem Münchner Forscher Professor Dr. Jürgen Soll.'Man freut sich, wenn man aus einem kleinen Allgäuer Dorf kommt und dann sieht, dass man in der großen Welt der Forschung mithalten kann', beschreibt Klaus Pfanner seine Eindrücke von der Preisverleihung. Zusammen mit seinen zwei Brüdern, dem Steinmetz und Archäologen Doktor Michael Pfanner und dem Bauingenieur Johannes Pfanner, sowie seinen zwei Schwestern Angela und Bernadette ist er in Neuhaus bei Scheidegg aufgewachsen. 'Unsere Eltern haben uns unglaublich unterstützt, damit wir alle fünf aufs Gymnasium gehen konnten,' erinnert sich der heute 47-Jährige an eine glückliche Kindheit. Auch an seine Schulzeit in der Scheffauer Volksschule denkt Pfanner gerne zurück: 'Damals wurden die Klassen eins bis vier und fünf bis acht jeweils gemeinsam in einem Raum unterrichtet', erinnert er sich. Als Nachteil empfand er diesen Gemeinschaftsunterricht nicht: 'Man bekam da auch ungeheuer viel mit.' Nach der 5. Klasse wechselte Pfanner ans Salvator-Kolleg in Lochau, ehe er 1976 sein Abitur am Bodenseegymnasium in Lindau machte. Auch seine Frau Anita lernte Pfanner im Allgäu kennen, allerdings im Württembergischen. 'Meine Frau ist Krankenschwester, ich habe sie während meiner Zivildienstzeit im Wangener Krankenhaus kennen gelernt,' erzählt er. Nach seinem Medizinstudium und einer mehrjährigen Forschungstätigkeit an der Universität München, wechselte Klaus Pfanner 1992 an die Uni Freiburg.

Dort ist er Direktor des Instituts für Biochemie und Molekularbiologie. Auf 70 Stunden schätzt er sein wöchentliches Arbeitspensum. Unter der Woche ist er vor allem mit Vorlesungen und Verwaltungsarbeiten beschäftigt, am Wochenende mit dem Schreiben von Veröffentlichungen. 'Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht', lacht er. Dabei achtet der Vater zweier Söhne allerdings darauf, dass seine Familie nicht zu kurz kommt. Den Leibniz-Preis hat Pfanner für seine Forschung über den Eiweiß-Transport in den Zellen der Bäckerhefe erhalten. 'Eine Zelle ist aufgebaut wie eine Stadt mit verschiedenen Häusern, Fabriken und Kraftwerken,' erklärt Pfanner. 'Eiweiße sind die Arbeiter. Wir haben darüber geforscht, wie die Arbeiter zu ihren Arbeitsplätzen kommen.' Dabei hat Pfanner mit seiner 15-köpfigen Arbeitsgruppe speziell die Kraftwerke der Zellen, die sogenannten Mitochondrien, untersucht. Rund 1000 verschiedene Eiweiße werden in den Mitochondrien benötigt. 'Wir haben spezielle Pförtner und Kanäle gefunden, die den Eiweißtransport in die Mitochondrien hinein ermöglichen.'Die 775000 Euro Preisgeld will Pfanner in den nächsten fünf Jahren dafür verwenden, um mehr über die Vorgänge in den Kraftwerken selbst herauszufinden: 'In den Mitochondrien werden oft 10 bis 20 verschiedene Eiweiße zu komplexen Maschinen zusammengebaut. Man weiß wenig darüber, wie das genau funktioniert.' Er hebt hervor, wie wichtig gute, motivierte Mitarbeiter in der Forschung sind: 'Im Grunde müsste der Leibniz-Preis für alle 15 Mitarbeiter sein, nicht nur für mich.'Ins Westallgäu kommt Klaus Pfanner nicht mehr so oft, seit seine Eltern gestorben sind. Aber einmal im Jahr versucht er sich dafür Zeit zu nehmen, auch wenn das nicht immer gelingt. Umso schöner sind deshalb solche Termine wie die Preisverleihung in Berlin: Dort traf sich Pfanner nicht nur mit seinen vier Geschwistern: 'Sogar meine Gotta und mein Gette, Hildegard Eglseder und Siegfried Heim, die beide aus Weiler stammen, waren diesmal mit dabei.'

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