Buchloe / Essen
Vom Talent zum Leistungsträger

Klar, Frankreich oder Kroatien. Die üblichen Verdächtigen eben. Die Frage nach den Favoriten bei der Handball-Europameisterschaft in Österreich hat Matthias Gerlich schnell beantwortet. Noch sitzt der 21-Jährige ganz entspannt vor dem Fernseher, wenn es auf internationalem Parkett heiß her geht. Doch Gerlich, dessen Familie in Buchloe zu Hause ist, hat in den vergangenen Jahren einen steilen Weg nach oben eingeschlagen - vom Talent aus der bayerischen Provinz über die Juniorennationalmannschaft zu einem der größten Traditionsvereine Deutschlands in die zweite Bundesliga. Seit einem halben Jahr steht er beim Tusem Essen unter Vertrag, dem dreifachen Meister, Pokalsieger und Europacupgewinner.

Aber genau diese große Vergangenheit macht den Essenern derzeit ein wenig zu schaffen. «Mit diesem Anspruchsdenken sind wir permanent konfrontiert. Es ist völlig normal, dass wir im ersten Jahr mit unserem neuen Team noch keine Bäume ausreißen werden. Unsere Ziele sind längerfristig ausgelegt», erklärt Gerlich. Nach der Insolvenz vor vier Jahren entschied sich der Verein für einen Neuanfang samt Kursänderung, für einen Weg mit jungen Spielern, die Potenzial besitzen.

Derzeit, nach knapp der Hälfte der Saison, läuft es aber noch nicht ganz rund bei den Westfalen. Mit gerade einmal sechs Siegen aus 18 Spielen stehen sie auf Platz 14 der Südstaffel der zweiten Liga, weit entfernt von der Tabellenspitze. «Unzufrieden wäre definitiv das falsche Wort dafür. Wir sind vielmehr noch lange nicht am Ziel», sagt Gerlich. In der Mannschaft stecke riesiges Potenzial, die Entwicklung sei positiv - trotz Abstiegskampf.

Für Gerlich selbst läuft es in Essen prima. Dort, wo im Schnitt fast 1400 Fans zu den Heimspielen kommen. Der Rückraum-Hüne hat die beste Torquote der gesamten Mannschaft. In 16 Spielen erzielte er bisher 96 Treffer, 18 davon waren Siebenmeter - rund sechs Tore pro Partie. In der Statistik der gesamten Liga steht er damit unter 230 verschiedenen Torschützen sogar auf dem 14. Platz. «Ich darf hier in Essen mehr Verantwortung übernehmen und habe mich nach anfänglichen Schwierigkeiten so langsam gefangen», meint er. Trainer Kristof Szargiej habe ihm auch in den schlechteren Zeiten viel Vetrtauen geschenkt. Gerlich: «Das will ich nun mit Leistung und Toren zurückzahlen.»

Sein Vertrag beim Tusem, dem Turn- und Sportverein Essen-Margarethenhöhe, läuft noch bis 2011. Und bis dahin träumt Gerlich weiter von der ersten Bundesliga. Womöglich mit den Essenern. Schließlich sei es kein Geheimnis, dass sein Verein in absehbarer Zeit wieder ins Oberhaus zurück will. «Mir wird hier ein sehr guter Rahmen geboten, mich weiter zu entwickeln. Mal sehen, was noch alles passiert.»

Und dann konzentriert er sich wieder auf den Fernseher und die EM. Die Nationalmannschaft, meint der Buchloer, sei für ihn noch Zukunftsmusik. Seine Zeit in der Junioren-Auswahl geht im Sommer zu Ende. Gut spielen, sich Bundestrainer Heiner Brand über Leistung zu empfehlen, das seien die nächsten Schritte. Die Nationalmannschaft befinde sich derzeit im Umbruch, die Erwartungshaltung setzt Gerlich daher eher niedrig an.

Zumal im Kader viele Akteure spielen, die direkt aus der Junioren-Nationalmannschaft kamen. «Das ist eine echte Bewährungsprobe für die Jungs. Aber den Leistungszenit wird dieses Team erst in ein paar Jahren erreichen», sagt Gerlich.

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